447. Der Suizid der Sender (TVS 09/12)

///447. Der Suizid der Sender (TVS 09/12)

447. Der Suizid der Sender (TVS 09/12)

So langsam wird mir klar, was gerade mit dem deutschen Fernsehen passiert: Wir werden Zeuge eines angekündigten Selbstmords. Noch kann man nicht sicher sagen, ob der schleichende Suizid einem freiwilligen oder unbewussten Todeswunsch entspringt. Die Entscheidung des Senders mit dem gestreiften Pfefferminzbonbon als Logo, Harald Schmidt abzusetzen, ist nur einer von zahllosen Beweisen für das sich nähernde Ende. Unabhängig davon, ob man nun Fan/Nicht-Fan/Ex-Fan/Teilzeit-Fan war: es zeugt nicht gerade von kluger Weitsicht, sich im eigenen Gesicht sämtliche noch verbliebenen Erkennungsmerkmale selbst abzuschneiden, bis es jeder für einen Arsch hält. Vor allem nicht, wenn man einstmals ausgezogen war, neben dem fetten Kölner Kanal mit der Konsonanten-Trikolore bestehen zu wollen. Doch welche Ideen, Formate und Persönlichkeiten bleiben SatOne nun noch, die man auf einem der anderen Plätscherkanäle nicht auch findet, und derer man sich als aufrecht gehender Mensch nicht schämen muss? Gut, mit viel Mühe findet man noch ein paar, aber zum Abzählen an den Fingern reicht locker eine Metzgerhand.

Nun wäre es nicht so schlimm, wenn sich nur ein einzelner Sender seiner Individualität beraubte und ins kreative Nichtschwimmerbecken zurückzöge. Leider aber stehen sie inzwischen fast alle nebeneinander in der lauwarmen Suppe der Eintönigkeit und prosten sich mit gekühltem Prosecco zu, der oben kurzzeitig davon ablenkt, dass man sich den ganzen Tag lang unten in die Hose strullt. Eins ist jedoch allen gemein: der vom dubiosen Marktanteil gestützte Irrglaube, der Kanal selbst mit seinem farbenfroh aufgebürsteten Logo und seiner onanierenden Eigenpromo wäre der Star und sich somit selbst genug. Aber das war er nie und wird er nie sein. Ein Sender wurde immer nur zu einer Marke durch seine Kreativen, die Verrückten, die Unbequemen. Genau jene, die von ihren einstigen Arbeitgebern heute nicht mehr gepflegt oder überhaupt gewollt werden. Inzwischen ersetzt eine eiskalte Kosten-Nutzen-Rechnung Herz und Verstand des Sendekörpers und liefert die Erkenntnis: nichts tun und sich tot stellen, bringt am Ende den größten finanziellen Gewinn. Dafür verliert man zwar seine Seele und manövriert sich selbst in die Bedeutungslosigkeit, aber bis zu seinem Tode kann man immerhin wohlhabend dahinsiechen. Herzliches Beileid, liebes Fernsehen. Wir schauen Dir noch ein wenig beim Sterben zu. Du bist einfach zu dumm und arrogant zum Weiterleben.

STARS AM ENDE

1. Alm-Abtrieb

Wie schade – ProSeven verriegelt Die Alm!. Falls Sie es (so wie die meisten Deutschen) nie selbst gesehen haben: das war eine Art Dschungel-Camp in doof, also noch döfer, mit Kuhkacke statt Känguruhoden, total unbekannten Sackgesichtern statt so mittelbekannten und blödgrinsigen Moderationen aus dem Dunghaufen der Dämlichkeit. Jetzt schließt man die Beklopptenbutze endlich, nur kurz nachdem man sie wieder eröffnet hatte, (nachdem sie davor schon mal wieder zugenagelt worden war), weil sie keiner mehr haben will, obwohl sie eigentlich auch vorher schon keiner wollte. Scheiß-Ideen werden eben auch nicht besser, wenn man sie ein paar Jahre in der Sonne liegen lässt.

2. Lügende Laien

Ein Sender ist definitiv auf dem Weg zum Abdecker, wenn er beginnt, schlechte Formate durch noch viel schlechtere zu ersetzen. So bringt SAT1 demnächst nicht nur statt Robenrobbe Babbel Salesch den Scripted Reality-Knaller Familienfälle (zeitgleich zu RTLs Verdachts-/Betrugs-Fälle), gerade lässt man sogar den alten Richter Holg sein eigenes Grab schaufeln, indem er selbst nur noch seinen potentiellen Nachfolger Geheimnisse – Leben mit der Lüge anmoderieren darf. Man muss es wahrscheinlich gar nicht mehr sagen: alles die gleichen grützblöden Fake-Furz-Vollspacken-Formate mit Profi-Arschgeigen als Laiendarsteller und Scheißigkeits-Garantie. Man möchte einfach nur noch laut schreien!

3. Versteckter Pilawa

Wichtige Frage ans ZDF: Wie viele Portionen Pilawa verträgt ein gesunder Mensch, bevor er sich daran überfrisst? Und wie viel ein Sender? Dem P-Man sind drei Quiz-Shows plus Specials jedenfalls nicht genug, deshalb plant er jetzt für sich mit seiner TV-Weltherrschafts-Company diverse Bildungsformate, Show-Events, eine Neuauflage von ‚Der große Preis‘ und der ‚Versteckten Kamera‘. Danach wahrscheinlich ein Remake der Wettervorhersage, Mainzelmännchen und des Testbilds. Auf dass es bald heißt: in jeder ZDF-Sendung ist ein Pilawa versteckt! Finden Sie ihn und melden Sie es bitte an Johannes B. Kerner oder Kai Pflaume. Oder schlafen Sie einfach weiter.

2017-02-10T01:40:09+00:00
Hier schreibt der Chef.

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