446. Freunde, Feinde, Flitzpiepen (TVS 08/12)

Jeder Mensch braucht Freunde, das war schon immer so, denn niemand ist eine Insel, auch wenn manch einer so aussieht. Früher hatte man einfach ein bis zwei beste Freunde/innen, eine Handvoll Kumpels plus ein paar Sackgesichter, die einem von Zeit zu Zeit über die Füße liefen – fertig! Heute verfügt man über soziale Netzwerke, virtuelle Friendships und digitale Verknüpfungen im elektronischen Daten-Nirwana. Verlinken, Liken und Anstupsen ersetzt das Händeschütteln, Knuddeln und Arschtreten. Man kann seine Seele auf das Smartphone laden, mit der Adresskartei des Computers abgleichen und auf das automatische Upgrade in eine bessere Welt warten, wenn man die richtige Karma-Flatrate abgeschlossen hat. Wer seine Fresse regelmäßig in jede verfügbare TV-Kamera hält, hat plötzlich tausende neuer Bekannter, bei denen man ohne es zu wissen im Wohnzimmer war. Manch junger Jodelcasting-Toptenner wird vielleicht sogar für ein paar Wochen von tausenden kreischenden Groupies verfolgt, die kurzzeitig bereit wären, für ein Handyfoto mit ihm ihr letztes Höschen zu opfern, ihn eine kurze Misserfolgsphase später allerdings nicht mal mehr mit dem inzwischen zu dick gewordenen Arsch angucken.

Nützliche falsche Freunde findet man vor allem mit Hilfe professioneller Verkupplungs-Aktivisten und Strippenzieher aus der Wirtschaft, die mit besonderer Vorliebe ihre Rolex-umrankte Pranke kumpelhaft auf naive Politikerschultern legen, um gemeinsam mit ihnen in die schmeichlerisch aufblitzenden Paparazzi-Kameras zu lächeln. Nicht erst der winselnde Wulff musste lernen, dass einem der falsche Umgang letztlich aber sogar im Sitzen noch den Schwanz abreißen kann, wenn man sich zu lange doof stellt. Sein Teilzeit-Buddy und Ex-AWD-Häuptling Mauschelmeyer (der charismatisch unterbelichtete Typ, der auf allen Fotos immer neben der Ferres steht) hat sogar gerade ein Buch dazu veröffentlicht, wie man in großem Stil unsympathische Arschgeigen um sich herum im Kreis versammelt und dann gegenseitig an den Eiern krault, bis alle gleich blöd grinsen. Da lernt man dann auf fast 400 Seiten, dass man selbst gar nichts können muss, sondern nur Leute kennen, die was können, oder zumindest Leute, die wen kennen, der was kann. Viele davon sind in der Lage, ihren individuellen Wert später sogar zu verdoppeln, denn bei aufkeimenden Schwierigkeiten können sie zusätzlich fehlende Feinde ersetzen. Die besten Freunde bleiben halt immer noch die, die man sich selbst gekauft hat!

STARS AM ENDE

1. Superkind-Suche

Alte Regel: wenn das Publikum in Dösigkeitsstarre verfällt oder die Quotentanne anfängt zu nadel, hol dir Kinder oder Tiere auf die Bühne! Jetzt hat die Flaute auch Hitmaker Bohlen und sein Casting-Bootcamp erwischt, denn selbst die ganz Doofen zeigen sich inzwischen gelangweilt von dem ewig gleich inszenierten Mix aus Bekloppten-Freak-Show und überschätzten Teenie-Jaulern. Also zaubert man nun DSDS-Kids aus der Hose, mit ganz viel knuddeläugig-kurzbeinigen Minimenschen zum Küssen. Außerdem kann RTL auf diese Weise so tun als hätte man dort Herz und Kuschel-Dieter darf ein Krokodilstränchen der Rührung aus dem Knitterauge pressen. Emotion Explosion bei der Suche nach dem Superkind – da hebt sich endlich wieder die schlaffe Quotenlatte!

2. Nachfolger-Findung

Endlich hat die Suche nach einem Wetten dass– Moderator ein Ende! War ja auch langsam nicht mehr schön dies unwürdige Herumgefrage. Jetzt hat sich der Lanz von Markus Lanz erbarmt – und die Nation rätselt: kann er das? Und wenn: was eigentlich? Denn auch wenn sich schon lange keiner mehr zu fragen traute: kann das überhaupt noch alles so weitergehen wie die letzten 30 Jahre? Die große Samstagabend-Show aus Omas ollen Malen-Nach-Zahlen-Buch? Muss man da nicht mal radikal am Konzept arbeiten? Aber darf das so ein neuer junger Schnösel überhaupt? Klar ist: die ganze Nation wird zuschauen und sich spalten, und der Lanzer braucht danach nen Panzer, emotional gesehen. Kein leichter Job, aber einer muss ihn ja machen! Viel Glück!

3. Toten-Erweckung

Neuigkeiten aus der Gruft: RTL lässt 7 Tote– 7 Köpfe oder wie auch immer das hieß wieder auferstehen! Natürlich nicht unter dem gleichen Namen, sonst merkt noch einer, dass denen nix Neues einfällt, sondern mit dem coolen Lach-Kracher-Titel Comedy Woche! Sind aber trotzdem wieder 7 Köpfe, die über die letzten 7 Tage reden, diesmal allerdings ein festes Team von 6 Männern plus eine Frau nach Wahl, was gerade so Zeit hat und lustig aussieht, quasi die RTL-Humor-Wanderhure der Woche. Wenn’s genau so witzig wird wie früher, muss jedenfalls keiner Angst haben, dass er sich totlacht!

2017-02-10T01:40:09+00:00

Über den Autor:

Hier schreibt der Chef.

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