445. Politik macht Spass! (TVS 07/12)

Für seinen letzten Zäpfchenstreich hatte sich Interims-Präsi Christian Wulff die bedeutungsvolle Schwarz-Weiß-80’s-Ballade Ebony & Ivory gewünscht, da er gern als ‚Bundesdingsbums der Völkerverständigung’ erinnert werden möchte. Da musste ich dann doch sehr lachen. Das ist als würde Merkel zum Abschied I’m Too Sexy auswählen, oder Rösler We Are the Champions. Natürlich werden wir Deutschen ihn nie vergessen, selbst wenn wir wollten, er lässt uns ja gar nicht. Auch wenn schon längst Ruhe sein sollte, täglich kommt eine neue Knallermeldung nachgeschossen! So wie diese unfassbar unrealistische Selbsteinschätzung beispielsweise, die zwingt einen ja förmlich zu einem Kommentar. Dabei hätten Dutzende andere Songs ganz wunderbar gepasst: Money Money Money, Sympathy for the Devil oder Don’t Cry For Me Arschandtina, selbst das Lied der Schlümpfe wäre treffender gewesen. Allerdings hat die ganze wurstige Wulfferei uns doch aufs Neue gelehrt, wie windbeutelig aufgeblasen dieser ganze Polit-Zirkus in Wirklichkeit doch ist und wie dem normalen Bürger immer wieder der blanke Arsch als Sonnenaufgang verkauft wird. Und er hat uns alle wieder gemeinsam zum Lachen gebracht. Bei der Diskussion zum ‚Ehrensold’ zum Beispiel, eine Art postpräsidiale Frührente in Höhe von 200.000 Silberlingen plus noch mehr Spesen, der in diesem Falle allerdings rein begrifflich gesehen ja nur ironisch gemeint sein kann. Gnadenbrot, Beschissbesoldung, Mauschelpauschale oder Abwrackprämie wären da vielleicht weniger verfänglich.

Selbst die Wahl zu seinem Nachfolger sorgte für ungeahnten Spaß aus der drögen Regierungsecke. Wie unsere Kanzlerin nach Monaten strampelnder Gegenwehr zu Joachim Gauck plötzlich auf der PK eben jenen als ihren Kandidaten des Herzens vorstellte, das war an Komik kaum zu überbieten. Daneben der völlig fertige Rösler, verschwitzt und zittrig wie der Junge vom China-Bringdienst, dem die Sauerscharf-Suppe ausgelaufen ist, weil er noch Minuten zuvor im Power-Wrestling mit Merkel am Boden des Kanzleramts um den ersten Sieg seiner Karriere ringen musste. Man hatte schon ganz vergessen, wie lustig Politik sein kann! Die unzähligen Talk- und Satire-Shows wären doch längst eingegangen ohne das absurde Wulff-Theater. So gesehen haben wir alle ihm sehr viel zu verdanken. Aber jetzt könnte trotzdem langsam Schluss sein. Irgendwann müssen wir uns schließlich auch mal wieder um echte Probleme kümmern!

STARS AM ENDE

1. Sex to go

Sat.1 im ungewohnten Quotentaumel! Die Rache der Wanderhure hat wieder alle Rekorde gebrochen. Ist ja auch klar bei dem genialen Titel. Wanderhure – ein Begriff, der zwei große deutsche Tugenden zusammen bringt, klingt so viel eleganter als Straßenstrich und fast schon gesund, man ist ja an der frischen Luft. Bestimmt schon geplant: Lauf, Nutte, lauf! (Thriller), Hereinspaziert! – Ich gehe bis du endlich kommst (Romantic Comedy), Die Jogginschlampe (80s-History-Movie) und Abenteuer wandern – Bumsen wie im Mittelalter (Doku)!

2. Comedy des Todes

Schlechte Sketch-Shows gibt es leider fast noch mehr als schlechte Witze. Auch an sehr oder gar überragend miesen Vertretern dieses Genres herrscht kein Mangel. Die Sat.1-Neuauflage von Die dreisten Drei allerdings scheint beim Versuch industriell produzierter Spaßigkeit seit langem mal wieder eine neue Dimension der Scheißigkeit aufstellen zu wollen. Wobei man während des Betrachtens gar nicht weiß, ob die ganze humorfreie Mumpfe nun eigentlich schlechter geschrieben, gespielt oder inszeniert ist. Wahrscheinlich ist es aber einfach ein dreister Comedy-Kackhaufen hoch drei.

3. Emanzipations-Ende

Plötzlich war er wieder da, ungefragt und ungewollt, nach so vielen Jahren angenehmer TV-Abstinenz: Der Bachelor. Diesmal mit Paul, einem bärtigen Waschbretthirn mit Bohlen-Stimme, der in Südafrika ein Rudel willige Weiber ablecken und probeweise anpoppen durfte. Schöner Service, das Gewinnerluder wurde allerdings kurz nach dem Ende ow gleich wieder auf die freie Wildbahn entlassen. Paul kriegt jetzt Porno-Angebote und genießt seinen Pseudo-Promi-Status zum Weiterknattern. Danke, RTL: mit einem einzigen Format hundert Jahre Emanzipation ins Klo gespült und im Klärwerk noch mal drauf geschissen! Respekt.

2017-02-10T01:40:09+00:00

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Hier schreibt der Chef.