443. Anarchie zum Abheften (TVS 05/12)

Die unerbittliche Eiseskälte und Trostlosigkeit des Winters wären für die Menschen in unserem Lande wesentlich leichter zu ertragen, wenn dazu nicht auch fast immer noch Karneval wäre. Fiese Arschkälte gepaart mit pappnasigen Arschgesichtern ist nun mal für’n Arsch im Quadrat! Und gefrorene Kotze mit Konfetti auf dem Bürgersteig ist auch nur lustig, solange es nicht taut.

Dabei ist selbstverständlich nichts zu sagen gegen eine Schippe Chaos, ein Eimerchen Humor oder ein buntes Hütchen. Wenn das alles durch Elferräte, Prinzengarden und Vereinsmeiereien nur nicht so furztrocken formatiert und in seiner banalen Blödigkeit derart erschreckend doof wäre. Nichts gegen gelegentlichen Vollrausch, zügellose Lebensfreude und gepflegtes Querfeldeingevögel, in Maßen alles prima. Nur diese urdeutsche Eigenheit, die Anarchie in einen Aktenordner pressen und der ganzen Wildheit ein geordnetes Regelwerk verpassen zu müssen, läuft ja irgendwie konträr zum Ursprungsgedanken. War eine Prunksitzung einst gedacht als humoristischer Aufstand gegen Staat und Militär, eine satirische Ode an das Chaos und die Freiheit der Gedanken, so bietet heute ein gewöhnlicher Montagmorgen im Katasteramt weit mehr zum Lachen als die Übertragung vom “Orden wider den tierischen Ernst”. Diese als plumper Spaß getarnte Spießigkeit der organisierten Fastnachts-Mafia jagen einem kalte Schauer des Entsetzens durch die Gedärme. Wenn dann auch noch die ganzen zugestrullten Bumsköppe anfangen, ihre Kalauer aus gesammelten Witzbuch-Remittenden in Reimform von der Bütt ins besoffene Volk zu grölen, dazu in ohrenfeindlichen Dialekten und verkleidet als Weltenbummler Pipifax oder Frauenarzt Dr. Pflaume, dann paaren sich in manch gesundem Kleinhirn Fluchtgedanken mit Gewaltphantasien.

Um das Grauen dieses streng strukturierten Frohsinns der Apokalypse noch einen Schritt näher zu bringen, braucht man zum Abschluß im Grunde nur noch die kreative Betreuung von ARD und ZDF für eine Übertragung in den Koma-Stream der öffentlich-rechtlichen Heiterkeitshölle. Karnevalssendungen im Fernsehen gehören zu den grauenhaftesten Erfahrungen, die ein unschuldiger Mensch auf der Suche nach Entspannung machen kann. Quasi das Guantanamo der guten Laune mit mentalem Waterboarding. Wahrscheinlich sind die Rosenmontags-Umzüge in Wirklichkeit auch nur missverstandene Massendemonstrationen gegen das Terror-Regime der gewaltsamen Fröhlichkeit. Habt doch endlich Erbarmen mit uns, mer könne net mehr! Tä-Tääää…

STARS AM ENDE

1. Nein des Nein-Sagers

Nachdem bereits fast alle noch lebenden Deutschen vom ZDF bereits erfolglos gefragt wurden, ob sie “Wetten dass” übernehmen könnten, fängt man jetzt wieder von vorne an. Pilawa hatte ja schon abgesagt, aber weil man beim Zweitfernsehen dachte, er hätte vielleicht nicht genug Quiz-Sendungen, fragte man ihn sicherheitshalber noch mal und vermeldete, man könnte quasi schon loslegen. Jetzt hat er allerdings zum zweiten Mal abgelehnt und Gottschalk zeigte sich bereits enttäuscht, dass ihn keiner mehr anruft. Ganz ehrlich: was ist das eigentlich für ein Scheißjob? Da findet man ja leichter einen neuen Scheißhaus-Putzer im Bahnhofsklo. Kann nicht bitte endlich irgendwer aus Mitleid zusagen? Das wird doch langsam albern…

2. Tod des Untoten

Während unser aller Bundespräsi-Wulff seinen längst erlittenen politischen Tod mit beharrlicher Sturheit ignoriert, wurde der SAT1-Polizei-Wolff (der aus ihm seinen Revier damals) kürzlich aus seiner wohl verdienten Grabesruhe einfach wieder ausgebuddelt. Weil man keine neuen Ideen hatte und lieber einen zurück geholten Zombie über den Bildschirm laufen lassen wollte. Leider waren die Quoten des Piloten nahe der Verwesung, und so wurden die lebenserhaltenden Geräte nun doch endgültig abgestellt. Dafür einen friedlich schlummernden Kaputten extra wieder zu beleben gilt doch eigentlich schon als Leichenschändung, oder?

3. Klagen der Kläger

Falls es noch keiner gemerkt hat: die ganzen Doku-Schiss-Formate am Nachmittag sind alle der exakt gleiche mentale Dünnpfiff, egal auf welchem Sender! Anders ist jeweils nur der Titel und der Ansatz, wie uns der gefilmte Kackhaufen als Realität verkauft werden soll. Neu bei VOX: “Verklag mich doch!” Alles wie gehabt und so schlecht, dass sich einem die Eier im Karton drehen, aber diesmal mit seriös gespieltem Anwalt vor das Bild gesetzt, der die rechtlichen Hintergründe des Schwachsinns erläutert. Dabei wäre höchstens VOX zu verklagen: wegen Tötung gesunder Gehirnzellen und boshafte Vernichtung von Lebenszeit. Einspruch abgewiesen!

2017-02-10T01:40:09+00:00

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