441. Die crazy Bundespräzishow (TVS 03/12)

Verrückt! Da ziehen die Sender zum Jahresbeginn einen gigantischen Entertainment-Trumpf nach dem anderen aus der Mülltonne, aber niemand nimmt so recht Notiz davon, denn plötzlich wird die gesamte Fernsehwelt beherrscht von einem mild lächelnden Mann aus Hannover, der nicht mal beim Casting gewonnen hat! Für viele ist er (zumindest während ich diesen Text schreibe) noch immer Der Bundespräsi, für andere The Wulfferine oder einfach Chrischi, der Bausparfuchs. Doch egal welcher Name, verblüffend bleibt, dass ein früher eher unscheinbar wirkendes Männlein das gesamte Medienleben auf sich allein konzentriert, obwohl es vorwiegend schweigt und seine wenigen Worte mit der leierigen Langsamkeit eines batterieschwachen Kassettenrecorders knödelt. Trotzdem gibt es seit Wochen fast kein anderes Thema als seine kleinen Mauscheleien und privaten Mailboxnachrichten an ausgesuchte Journalisten

Wie ist das möglich? Jeder andere B-Promi lernt als erstes, möglichst viel in absolut jede Kamera zu labern und sich auf jedem auch nur entfernt rötlich erscheinenden Teppich lasziv in Pose zu werfen, damit man über ihn berichtet. Hier funktioniert es aber genau andersrum: je weniger Silent Wulff sagt, desto mehr wird darüber geredet!

Sämtliche Mediengesetze scheinen ad absurdum geführt. Hätte das bei Kader Loth und Katzenberger auch so funktioniert? Sie wurden bekannt, indem sie stets wesentlich mehr redeten als sie wussten und dabei so taten als wären sie intelligent. Der Wulffman sagt so gut wie nichts, obwohl er alles weiß und stellt sich dumm. Liegt diese Absurdität am Titel ‚Bundespräsident’? Schließlich wurde auch noch nie so viel über dieses Amt gespottet und geredet wie gerade jetzt, aber laut eigener Aussage tritt er genau deshalb nicht zurück, weil er eben jenes Amt nicht beschädigen will. Da beißt sich die Logik in den eigenen Schwanz und behauptet, es wäre ein Würstchen. Das legendäre BuPrä-Kreuzverhör war jedenfalls ein echtes TV-Highlight, eine Art Mix aus Rate-Show und Comedy. Man wollte die Wahrheit finden, aber am Ende gab es nur eine Menge zu lachen. Auf jeden Fall hat sein Erfolg gezeigt, dass Wulff ruhig in mehr Fernsehformaten auftreten sollte. Rette die Million, The Voice of Germany und Verdachtsfälle würden gut passen, oder auch zusammen mit seiner bezaubernden Gattin bei Mein Mann kann.Sollte er Wetten dass…? übernehmen, gäbe es sogar ein Wiedersehen mit der Ferres! Als letzte Möglichkeit bleibt auf jeden Fall immer noch Verzeih mir.

STARS AM ENDE

1. Moppelt-Dating

Traurige alte Regel: je dümmer, entwürdigender und gestellter ein Randgruppen/Bekloppten-Verkupplungsformat, desto erfolgreicher. Somit war ja zu erwarten, dass auch die peinliche Pummelparade Schwer verliebt in SAT1 gut laufen würde. Tat sie leider auch, und so ist bereits die zweite Staffel der Dickdoofen-Single-Verspottung in Arbeit. Natürlich weiterhin moderiert von der heuchelnden Höllenhündin Britt Hagedorn, die sich ja schon seit Jahren für gar nichts mehr zu schade ist. Fett, fies und böse!

2. Göpel-Alarm

Von denkenden Publikum unbemerkt, versendet sich sonntags gerade der tolle Sat.1-Dokusoap-Mumpitz “Kiloalarm” Auf jeden Fall immer was mit ‚Alarm’ im Titel und der unlustigen Ex-Upps-Superpannenshow-Wuchtbrumme Andrea Göpel dabei. Und weil die Quoten ganz ordentlich sind, man nix anderes hat, dafür aber noch eine Menge ungesendetes Schnittmaterial, bastelt man daraus jetzt ganz innovativ Alarm und sendet es täglich. Wo kann man denn nun wirklich Alarm schlagen, dass dieser ganze Käse endlich ein Ende hat? Das haben wir wirklich nicht verdient!

3. Super-Beschiss

Schwierig, die neue Pro7-Promo-Nachfolge-Kampagne der hauseigenen STAR FORCE zu beurteilen, in der ein Großteil der austauschbar blassen Sendernasen als Superhelden auftauchen. Ohne Frage optisch innovativ und toll gemacht – aber rein inhaltlich der größte Beschiss aller Zeiten. Super Heroes for Super TV ist bei dem oberpeinlichen Murks und den lieblos dahin gedudelten Dauer-Sitcom-Programmierungen der letzten Monate schon mehr als nur frech gelogen. Und farblose Moderations-Hülsen wie Stefan Gödde als Superman fliegen zu lassen, ist wie einen Furz als Wirbelsturm zu verkaufen.

2017-02-10T01:40:09+00:00

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Hier schreibt der Chef.

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