437. Die ganz neue Zielgruppe (TVS 25/11)

///437. Die ganz neue Zielgruppe (TVS 25/11)

437. Die ganz neue Zielgruppe (TVS 25/11)

Die wichtigste Erfindung der Menschheit war, nach dem mehrlagigen Klopapier und der Fernbedienung, ganz zweifellos die ‚Werberelevante Zielgruppe‘. Lange, ja viel zu lange, interessierten sich die Hersteller der medialen Unterhaltungsware für ihr gesamtes Publikum, die Alten wie die Jungen. Doch irgendwann erkannten sie ganz richtig, dass die Kids mit ihren pissigen Taschengeldkröten im Grunde viel zu uninteressant für die Werbekunden waren.

Interessant werden sie erst ab ca. 14, wenn sie clever genug sind, ihren Eltern das Geld zu mopsen. Und die alten Schnarchsäcke über 50 kann man sowieso in der Pfeife rauchen, die sind so gut wie tot, fast alle pleite und generell einfach zu alt, dachte man sich. Also erfanden ein paar kreative Koksköppe im Zauberland RTL die ‚Werberelevante Zielgruppe der 14-49jährigen‘. Nicht diskriminierend gemeint gegen den Rest, es soll ja nicht bedeuten, dass man die jüngeren und älteren nicht schätzt und respektiert – sie sind einem nur scheißegal!

Ein bisschen blöd ist jetzt allerdings, dass rein demografisch gesehen die Bevölkerung immer älter wird und sich auch die stärkere Kaufkraft zunehmend bei den vormals verschmähten Mümmelgreisen über 50 befindet. So ersannen einige clevere Marketingstrategen jüngst die neue ‚Referenzgruppe der 20-59jährigen‘. Diese fristet bislang zwar nur ein karges Schattendasein auf den Sender-Ausdrucken der ohnehin überaus dubiosen Zuschauer-Schätzwerte, findet aber immer mehr Fürsprecher. Auch nicht sinnvoller als die andere Einteilung, aber irgendwas kann man dem zweifelnden Werbekunden damit schon vorschwafeln.

Seitdem streiten sich nun die verschiedenen Senderfamilien, welche der bescheuerten Relevanzgruppen denn nun die relevanteste ist. Die einen sagen so, die anderen so. Oder auch mal umgekehrt. Fest steht nur, die neue Regelung würde beim definierten Kernpublikum rein altersmäßig eine abgeschlossene Schulbildung voraussetzen, was ein zumindest minimales Plus an Intelligenz in den Programmen erfordern könnte. Und das will ja nun wirklich niemand der Verantwortlichen! Schon werden Rufe laut, man solle besser die 17-52einalb-jährigen nehmen oder doch wieder die von Null bis Heesters. Oder man entscheidet sich einfach für die 40 bis 120 Kilo schweren – weg mit allen, die zu schwach oder zu fett zum Einkaufen sind. Oder aber man lässt einfach alles so unsinnig, wie es schon immer war. Wozu einen Schwachsinn gegen einen anderen austauschen?

STARS AM ENDE

1. Nationale Krise

Egal ob der Euro nun endgültig abschmiert, sich die Griechen selbst bei ebay rein stellen oder in Italien die Goldkettchen knapp werden – Deutschland hat viel größere Probleme! Denn nach Hape Kerkelings Absage, die moderige Spaß-Schaluppe Wetten dass auf altbewährtem Kurs durch den Samstagabend zu schippern, steht das ZDF mit leerer Hose da. Und ohne ihre letzte große Show bald auch quasi ohne Existenz-berechtigung. Fast jeder lebende Deutsche wurde bereits gefragt, aber keiner will das ranzige Ruder übernehmen. Also falls es bei Ihnen an der Haustür klingelt: besser nicht aufmachen, sonst haben Sie noch Wetten dass am Hacken!

2. Vereiste Eispromis

Stars auf Eis gelegt! Auf diese wunderbare Schlagzeilen-Vorlage darf man als Boulevardjournalismus-Pratkikant ruhig mal eine Dose Prosecco öffnen. Denn SAT1 hat trotz lautstarker Ankündigung ganz kurzfristig Kati Witts große Comeback-Show ‚eiskalt‘ abgesagt. Nicht dass man als Zuschauer darüber traurig sein müsste, denn ob man nun einen Haufen semi-prominenter Schnarchnasen auf Schlittschuhen oder auf der Alm beim Kuhkacke-Stapeln oder im Busch beim Krokodilpimmel-Futtern sieht, es bleibt alles gleich langweilig. Aber trotzdem schön zu sehen, dass SAT1 seine großen Stars zumindest genau so gnadenlos verarscht wie alle anderen!

3. Caritative Kindereien

Aus der Rubrik ‚Formate, die die Welt nicht braucht, mit Promis, die keiner mehr kennt und die schon damals eigentlich eher unbekannt waren‘ erwartet uns nun auf RTL2 die knuddelig-überflüssige Doku-Soap Ross – Der Kindergartenboss! Wie der Name schon sagt: Ross Antony sucht kaputte Kindergärten heim und bringt die wieder auf Vordermann. Erst mal nur für eine Folge. Wenn die Quote stimmt werden noch mehr Krabbelgruppen-Meetingpoints medientauglich renoviert. Wenn nicht müssen die Kleinen in den ollen Kackbutzen weiter den Schimmel von der Wand knibbeln, ist uns dann auch egal. Geht das alte Grinse-Ross halt wieder woanders putzen.

2017-02-10T01:40:09+00:00
Hier schreibt der Chef.

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