425. Aber hallo, Herr Kaiser! (TVS 13/11)

Fragte man früher junge Burschen, was sie denn wohl später mal werden wollen, so hörte man häufig Lokomotivführer, Feuerwehrmann und Astronaut, was mit der Zeit allerdings abgelöst wurde von Superstar, Facebook-Erfinder oder Gangster-Rapper. Überraschenderweise befindet sich aktuell auf Platz eins der Traumjob-Charts ein früheres Sorgenkind: der Versicherungsvertreter! Wobei die zahlreichen Berichte über die Betriebsfeiern der Hamburg Mannheimer natürlich viel zu diesem neuen Positiv-Image beigetragen haben. Wo in anderen Spießerbetrieben einmal jährlich zum popeligen Personalkegeln mit selbst geschmierten Schnittchen zu Chart-Hits der Achtziger geladen wird, wissen die Insurance-People halt, wie man es richtig knallen lässt: Schampus-Orgien im Edelbordell mit freilaufenden Nutten satt am All-You-Can-Fuck-Buffet! Saufen bis zum Umfallen, (Salz und exotische Gewürzmischungen) koksen und Bumsen bis die Gurke qualmt – so motiviert man seine Mitarbeiter, jawohl.

Dabei hätten die meisten von uns der Humbug Ranschleimer so viel Coolness gar nicht zugetraut. Bisher kannte man von ihren Angestellten ja nur den biederen Herrn Kaiser aus der Fernsehwerbung: ein konturlos glattgelutschtes Makler-Zäpfchen, dessen aalglatt unehrliches Dauergrinsen ihm vom Satan persönlich mit einem Brandeisen in die Visage eingeschmiedet schien. Ein undurchsichtig emotionsloser Mann von derart schleimiger Schmierlappigkeit, dass sich der Zuschauer nach jedem TV-Spot übergeben, duschen und desinfizieren wollte. Andererseits wusste man bei ihm auch nie, ob er in seiner Freizeit mit der Familie wandert und im Kirchenchor singt oder im Hobbykeller Bomben bastelt und minderjährige Schafe nagelt. Wie wir heute im Zusammenhang erkennen, war er in Wirklichkeit aber nichts anderes als die zynische Karikatur eines formatierten Versicherungsvertreters, von der HaMa als Parodie auf ihre eierlosen Branchen-Kollegen auf den Bildschirm geschickt. In der Führungsetage lachte man sich wahrscheinlich vor der Glotze immer scheckig, wenn wieder so ein treudoofes Trottelpaar ‚Hallo Herr Kaiser!’ rief und ihm vertrauensvoll ihre kindischen Kundensorgen erzählte, während man vom Gewinnüberschuss gerade die nächsten Gruppenpuffsause plante. Also sollte ich es in meinem nächsten Leben nicht zum Vorsitzenden des IWF, kalifornischen Gouverneur oder italienischen Ministerpräsidenten schaffen, werde ich auf jeden Fall Versicherungsvertreter!

STARS AM ENDE

1. Doofe Nachbarn

Wichtige Grundregel der menschlichen Existenz: der Andere ist im Grunde immer blöder als man selbst. Das gilt besonders für Nachbarn, und deshalb streitet man sich so gern mit denen. Jetzt endlich auch wieder vor der Kamera im Nachbarschaftsstreit, wo sich allerlei aggressionsbereite Vollidioten, die zufällig nebeneinander wohnen, für RTL anbölken und gegenseitig den Tag versauen. Jedenfalls bis die murmelköpfige Nachbar-Nanny Franz Obst vorbeikommt und die Parteien im Schein seiner Glatze zur Eintracht gemahnt. Amen.

2. Schlechte Witze

Wenn man für ein Remake keine eigenen Ideen mitbringt, sollte man es besser ganz bleiben lassen oder das Original zumindest mit Respekt behandeln. Der lieblos-lullige Neu-Aufguß der Sat.1 Wochenschow tut beides nicht. Stattdessen strullt er gegen das eigene Denkmal und verheizt viel zu viele anständige Solo-Künstler in mittelmäßigen Kille-Kille-Sketchen, ohne Herz, Sinn oder Verstand. So gut einige der Mitspieler einzeln auch sein mögen, zusammen ergeben sie weder ein Team noch eine schlüssige Show. Nur den verzweifelten Versuch eines konzeptlos rudernden Senders, die Zuschauer mit einstmals innovativen Konzepten von der eigenen Kreativdürre abzulenken. Klarer Etikettenschwindel.

3. Keine Besserung

Zu früh gefreut: der nervige Call In – Kanal 9live musste zwar seine Beschissleitungen kappen und all die schönen Flipcharts bei ebay verkaufen, aber besser wird das Programm deshalb trotzdem nicht. Da man inzwischen gar nichts anderes mehr kann als professionelle Publikumsverarschung, wird der Großteil der freien Zeit jetzt mit den stammelnden Esoterik-Halunken von Astro TV gefüllt. Der Rest besteht aus gammeligen Serienresten der Senderfamilie aus den Kategorien Flop, Mega-Flop und Giga-Flop. Bleibt also alles genau so schön scheissig wie immer.

2017-02-10T01:40:11+00:00

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Hier schreibt der Chef.