423. Das ganz grosse Eventfernsehen (TVS 11/11)

///423. Das ganz grosse Eventfernsehen (TVS 11/11)

423. Das ganz grosse Eventfernsehen (TVS 11/11)

Keine Ahnung, ob sie es mitbekommen haben, aber der britische Thronfolger Prinz William soll geheiratet haben! Ganz gemütlich, nur im Kreise der Familie mit ein paar guten Freunden. Wenn man ein wenig recherchiert, findet man vielleicht sogar ein oder zwei Fotos im Internet… Haha, kleiner Scherz! Kaum ein anderes Gähn-Event dieses Millenniums wurde obsessiver durch die hyperventilierende Massenmedienmaschinerie genudelt als eben jenes pompös zelebrierte königliche Knattergelöbnis. Allein bei uns berichteten sechs (zum Mitschreiben: sechs!!!) große TV-Anstalten parallel mehrere Stunden live von der nicht enden wollenden Winke-Winke-Kutschfahrt und dem lustlos dahingehuschten Sekundenkuss auf dem Jubelbalkon, mehr noch als beim Zapfenstreich für Guttenberg.

Apropos: was macht der alte Titelabzocker eigentlich? Nicht lange her, da beherrschte der charismatisch gescheitelte Kopierdoktor sämtliche Meldungen, jeder kleinste zögerliche Trippelschritt in Rücktrittsrichtung wurde überall aufs Genüsslichste ausgewalzt. Bis er dann von Japan und dem daraus resultierenden Merkel-Moratorium verdrängt wurde. Und dieses dann wieder von der langweiligen Kitschhochzeit. Welche dumme Promi-Sau aus welchem Grund nun auch immer gerade durch das sprichwörtliche Dorf getrieben wird, die anwachsende Stinkfaulheit der gesamten Medienwelt ist deutlich zu spüren. Sobald ein Ereignis nicht all zu doll politisch oder kompliziert ist (globale Katastrophen mal ausgenommen) und sich damit auch für die grinsende Süffisanz der ballerblöden Boulevardmagazine als tauglich erweist, fallen alle darüber her wie gierige Geier auf ein Wüstenopfer und berichten sich gegenseitig in den Wahn. Und zwar – ganz wichtig – alle gleichzeitig, mit den gleichen Bildern und der im Grunde gleichen Meinung, aber jeweils getarnt als eigenständig erworbene subjektive Objektivität. Die atomare Westerwellenschmelze und die Libyenkrise rund um die zerfranste Gadaffi-Visage fielen wegen mangelnder Attraktivität der verkniffenen Protagonisten leider ein wenig durchs grobe Raster und bekamen deswegen weniger Sondersendungen und keinen Beitrag bei taff. Dumm gelaufen. Allerdings könnten die Sender irre viel Geld und Mühe sparen, wenn sie sich einfach besser untereinander absprechen und im Voraus auf regelmäßige gemeinsame Großereignisse einigen könnten. Wenn nur alle ihnen die gleiche Bedeutsamkeit geben, ist der reale Grad der Unwichtigkeit relativ. Lust auf richtiges Fernsehen hat von den Verantwortlichen doch eh keiner mehr – es lebe das Event-TV!

STARS AM ENDE

1. Sommerhäufchen

Kaum eine TV-Station arbeitet so konsequent an ihrem Imagewechsel vom stylischen Qualitätssender hin zum schmuddeligen Doofen-Billigramsch-Wiederholungs-Kanal wie Pro7! Deutlich wird die panische Ideenlosigkeit immer dann, wenn von den schlechtesten Trash-Formaten der letzten Dekade die dümmsten und peinlichsten jetzt trotz bewiesener Erfolglosigkeit wieder recycelt werden, einfach weil einem sonst gar nichts mehr einfällt. Neuestes Beispiel: the Return of Sommermädchen, dem unangenehm schmierigen Bikini-Tussen-Casting nach dem willigsten Beach-Pool-Luder der Saison. So langweilig, dass einem die Hand in der Hose einschläft. Wie wär’s denn mal mit drei Monaten Testbild ‚Betriebsferien‘? Qualitativ ein großer Schritt nach vorne!

2. Lümmelsorgen

Kaum sendet der KiKa mal keine albern grinsenden Knuddelviecher, sondern echte Lebenshilfe für die vorpubertären Kleinen, regen sich die spießigen Eltern auf. Dabei ging es doch nur um Erektionsprobleme, allerdings anders als der Erwachsene das kennt. Nicht was man machen soll wenn die schlappe Nudel nur noch lustlos in der Hose baumelt, sondern ein lockerer Ratgeber für das erfolgreiche Verbergen einer ungewollten Versteifung im Matheunterricht oder beim Kaffee mit Oma. Zum Glück aber nur ganz harmlose Tipps (beim Sitzen vorbeugen, Bein anwinkeln, weite Hosen mit Auslaufzone tragen) und nicht wie es die Privatsender machen würden (ins Internet stellen, Bild dran aufhängen, sich gepflegt einen schubbern). Also als Cartoon von mir aus alles Latte, Hauptsache sie zeigen es nicht auch noch mit Samson in der Sesamstrasse!

3. Sorgenkinder

Viele radikale Tierschützer hatten bereits befürchtet, durch die geplante TV-Gebühren-Umstellung auf die pauschale Haushaltsabgabe wäre der Bodensatz der beruflichen Nahrungskette, der schabenartig wieselnde GEZ-Fahnder, vom Aussterben bedroht. Wenn einfach jeder Haushalt die gleiche Summe abdrücken muss, besteht theoretisch ja kein Grund mehr für hinterfotzige Türspitzeleien. Aber simple Vernunft lässt die Kakerlake nicht sterben, das wissen die Evolutionsforscher. Und so plant auch die GEZ statt dezenter Verabschiedung eine massive Personalaufstockung! Die vielen zusätzlichen Gebührengelder müssen ja auch irgendwie verbraten werden.

2017-02-10T01:40:11+00:00
Hier schreibt der Chef.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen hier in unserer Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen