419. Klum und dümmer (TVS 07/11)

Wahre Helden verlassen uns meist viel zu früh. Siegfried, Spartacus, Jesus, Jeanne D’Arc, Guttenberg – brutal und unbarmherzig wurden ihre erfolgreichen Laufbahnen durch Neider, Spötter und Halunken vorzeitig beendet.
Superschurken und Ikonen des Horrors hingegen sind nicht tot zu kriegen. Hannibal Lecter, Freddy Krueger, Dracula – sie alle leben ewig. Auch Heidi Klum (by Heidi Klum) ist schon wieder da und hetzt ihre spirreligen Spargelgirls bereits in der sechsten Staffel von links nach rechts über den Pro-Sieben-Laufsteg.

Diesem Frischlingsrudel orientierungsloser Frauen-Azubis beim affektierten Latschenlernen zuzuschauen ist immer noch genau so stinklangweilig wie früher, aber da die maliziöse Mädelfolter in gnadenloser Sturheit einfach immer und immer wieder den Bildschirm verseucht, regt sich inzwischen keiner mehr wirklich auf. Sollte man aber! Denn einfach die Augen vor der sich herpesartig ausbreitenden Verklummung der Gesellschaft zu verschließen und zu hoffen, dass eines Tages der blonde Teutonen-Terminator einen nicht mehr von überall her angrinst oder Burger frisst und sich Süßwaren aus den Zehenzwischenräumen pult, ist leider keine Lösung.

Die darmwindartig aufgeblähte TV-Suche nach „Germany’s Next Topmodel“(by Heidi Klum) ist nämlich weit mehr als bloß eine peinlich nachgeäffte DSDS-Kopie ohne Singen, sondern gehört inzwischen locker zu den moralisch schlüpfrigsten der ganzen Wasauchimmer-Casting-Show-Spektakel.
Denn wo bei den meisten sonstigen Fahndungsformaten zumindest nominell noch das Finden und Fördern eines möglichen Talents im Vordergrund steht, gibt es bei GNTM(bHK) lediglich einen Lehrauftrag: Schön sein und gehorchen!

Charakter, Intelligenz oder ähnliche humanistische Tugenden sind hier nichts als die Finger im Hals der moral-bulimistischen Blendergesellschaft. Aus Selbstüberschätzung dauererigierte und Anglizismen-onanierende Wichtigtuer aus der internationalen Arschgeigenszene schleifen heranwachsende, unerfahrene Laufsteg-Lemminge zu widerspruchslos funktionierenden Beauty-Söldnern und seelenlos aufgehübschtem Fotografenfutter.
Die meist jungen weiblichen Zuschauer lernen fürs Leben: Der Frauenmund ist zum Halten und Schminken da, keineswegs zum Ungefragten Öffnen, fehlerfreies Geradeaus-Laufen das Lebensziel. Einfacher ausgedrückt: Maul halten, lächeln und hübsch mit dem Hintern wackeln, wenn du Papa das Bier holst! Ein Furz ins Gesicht der Emanzipation (by Heidi Klum).

STARS AM ENDE

1. Almaffen-Auftrieb

Es gibt Nachrichten, die wirklich niemanden erfreuen, so wie diese: „Die Alm“ kommt zurück! Wer diese grottenscheißige Doofpromi-Parade durch die Gnade der späten Geburt, eines kaputten Fernsehers oder des guten Geschmacks bislang noch nicht kannte: quasi die Pro7-Antwort aufs Dschungel-Camp, nur in ganz ganz schlecht und noch viel döfer! Unsympathische Promi-Ersatzwesen mit Charme und IQ eines dünn geköttelten Kuhfladens müssen zusammen auf einer Almhütte leben usw. blablabla, man kennt das ja. War damals schon so peinlich wie furchtbar und ein verdienter Flop. Aber wenn man sonst keinen Plan mehr hat, wird halt auch der älteste Dunghaufen noch mal warm gemacht.

2. Tanzrottel-Parade

Ein Blick auf die immergleiche RTL-Jahresuhr zeigt: Zeit für eine neue Staffel „Let’s Dance“. Also fix ein paar mehr oder weniger oder noch weniger bekannte Medieneumel eingefangen und ab zum Hoppeltraining! Eine hochkarätige Parade an Abschaltgründen, dieses mal mit so spektakulär uninteressanten Luftblasenwesen wie Loddar Matthäus ihm seine aktuelle Ex-Zische Liliana, diese eine da von der Kelly-Family und dem Fünften der letzten DSDS-Staffel. Wow! Ich werde schon ganz schläfrig vor Aufregung… Bitte weckt mich nächstes Jahr, wenn die neuen Tanztrottel feststehen!

3. Nervnasen-Abschied

Gleich dreimal heißt es Abschied nehmen, zweimal davon in Sat1: Kai Pflaume wird seinen Kopulations-Anbahnungs-Bus zum Schrotthändler bringen und der Liebe endgültig den Rücken kehren. Auch Pocher-Olli, der unbemerkt vom Publikum immer weiter vor sich hin sendete, weil er zu teuer zum Aufhören war, muss nun doch die Nacht für ein paar knackige Wiederholungen frei machen. Und Telenovela No 7.234, "Lena – Liebe meines Lebens", muss selbige jetzt schon 60 Folgen früher als geplant finden, und das auch noch am Vormittag. Bitte versuchen Sie, Ihre Tränen zurück zu halten!

2017-02-10T01:40:12+00:00

About the Author:

Hier schreibt der Chef.