417. Die Leere nach dem Dschungel (TVS 05/11)

///417. Die Leere nach dem Dschungel (TVS 05/11)

417. Die Leere nach dem Dschungel (TVS 05/11)

Ach Menno, das Medienleben ist manchmal echt voll total ungerecht! Zwei Wochen lang machte unser aller Lieblingssender RTL mit seinem psychologischen Kammerspiel aus dem Egomanen-Auffanglager im australischen Busch sämtliche Konkurrenten so platt wie eine zertretene magersüchtige Flunder, die von einer Dampfwalze überrollt wurde. Rekordquoten wie bei der ersten Mondlandung, vom Publikum geliebt, vom Feuilleton gefeiert, von der Politik zitiert. Berichterstattung rund um die Uhr, quer durch alle Medien. Kein anderes Thema aus der sonst so drögen Lahmarsch-Welt hatte eine Chance gegen die spektakulären Erlebnisse der eingepferchten Dschungelpflaumen rund um Blöden-Ikone Sarah Dingens-Bummens und das erotischste Show-Liebespaar seit Marianne & Michael. Aber trotzdem ist man in Köln am Jammern! Laut dem bedürftigen Marktführer und Innovationsverweigerer RTL ist nämlich in den Folterpausen bei weitem nicht genügend Werbefläche verkauft worden, da viele Kunden ihre Produkte nur ungern zwischen zerkauten Fischaugen und gelutschtem Krokopimmel sehen wollten. Spießer! Dabei ist der gedankliche Weg von der Alligatorrosette zur Swarovski-Kette ein ebenso kurzer wie vom Känguruhoden zum Überraschungsei. Durch diese feige Finanzverweigerung sei allerdings der Camp-Aufbau für das nächste Jahr noch ungewiss, da unterm Strich einfach zu wenig Kohle überbleibe, wenn man falsch rechnet. Man könnte heulen, wenn es einem nicht so gut ginge!

Wie können wir Zuschauer helfen? Faulige Essensreste sammeln und Kleintierkadaver an die Redaktion schicken? Restpromi-Tonnen am Straßenrand aufstellen, vergessene Altstars beim Bäcker niederschlagen und reinstopfen? Ich muss nämlich zugeben, dass ich ein großer Fan geworden bin und diesen Haufen so wunderbar lieblos vor das Lagerfeuer gekippter Promi-Maden nicht mehr missen möchte. Keine noch so gewaltsam dahingefurzte Telenovela oder Dailydoofsoap kann mit dem wahrhaftigen Wahnsinn real gelebter Selbstüberschätzung mithalten! Das war ganz großes Kino, und niemand hätte diese gnadenlose Präsentation der Eitelkeiten besser hinbekommen als RTL, wo Fremdscham ohnehin kein Fremdwort ist. Das gleiche Format im ZDF wären wahrscheinlich Carmen Nebel, Veronica Ferres und Affe Charly beim Kaffeetrinken im Serengeti-Park. Also los, schickt schnell die nächsten Bekloppten ins Kakerlakenlager! So sind sie weg von der Straße und das Fernsehen hat endlich wieder einen Sinn.

STARS AM ENDE

1. Radlos

Traurige Nachricht für alle Freunde sinnlosen Dauerradelns und sportlicher Drogeneinnahme: die öffentlich-ratlosen werden ab 2012 nicht mehr live von der Tour de France berichten. Schluss mit den aufregend nichtssagenden Bildern aufgespritzter Athletenkörper in knallbunten Stretchpellen beim verschwitzten Geradeausfahren im Rennradrudel! In Zukunft werden alle aktuellen Dopingwerte im Internet-Liveticker angezeigt, die Schampus-Bespritzung des Etappensiegers läuft bei Brisant und sämtliche Bestechungs-Updates werden in der täglichen Zusammenfassung auf RTL-Crime gezeigt. Endlich muss man das langweilige Fahrradgefahre nicht mehr gucken!

2. Kraftlos

Der Herr war nicht mit ihnen – Lasko, die Faust Gottes, hat ausgeboxt! Da nicht genügend treue Jünger den bekloppt um sich kloppenden Kung Fu-Mönchen folgten und sich somit die Quoten aus himmlischen Sphären langsam Richtung Höllenschlund bewegten, zogen die Ungläubigen bei RTL den Stecker nach der zweiten Staffel. Eigentlich schade. Die Serie war so schlecht, dass sie schon fast wieder scheiße war, dazu nicht mal gut gemacht, aber dabei auch noch so hanebüchen schwachsinnig, dass sie eigentlich perfekt zum Umfeld passte. Eine jener TV-Perlen aus der Absurditäten-Auster der Wahnsinns, die man eigentlich niemals sehen wollte, aber irgendwie auch nicht missen möchte.

3. Pietätlos

Nicht mal mehr sterben kann man in Ruhe! Bernd Eichinger ist tot und Deutschlands Filmindustrie ist erschüttert. Aber damit das ja nicht zu privat bleibt und auch jeder Boulevardmagazin-Glotzer in der heimischen Furzmolle den vielen Top-Promis beim Trauern zuschauen kann, wurde die Beerdigung live von SAT1 übertragen. Natürlich betroffen fachkundig kommentiert und mit Star-Anekdötchen garniert von der schnippischen Alleswisserin Sybille Weischenberg. Schon bitter, was man so alles aus Verzweiflung sendet, wenn man sonst nichts mehr zu melden hat.

2017-02-10T01:40:12+00:00
Hier schreibt der Chef.

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