408. Demonschtriere tut gut! (TVS 22/10)

///408. Demonschtriere tut gut! (TVS 22/10)

408. Demonschtriere tut gut! (TVS 22/10)

Wer hätte das gedacht? Da schien es schon, als wäre das vor sich hin dösende deutsche Volk so fett und faul geworden, dass es sich ohne zu murren einfach jede noch so dreiste Verscheißerung der Regierungsgolems als göttliche Gesetzgebung verkaufen ließe, als sich plötzlich aus dem Untergrund der Gemütlichkeit eine neue Macht des Widerstands formiert! Die Schwaben schlagen zurück, jenes urwüchsig nuschelnde Schwarzwald-Völkchen, das bislang eher die verschlafene Schafherde im gesamt-deutschen Wolfspelz zu sein schien. Nun aber fühlen sich die braven Stuttgarter und Rinnen durch die murksig verplante Bahnhofsunterkellerung ihres schönen Städtchens gehörig aufs Schlipsle getreten und wagen gar den öffentlichen Aufstand. Was man in Deutschland im Grunde seit den Achtzigern nicht mehr gewohnt ist, und von den braven Schwäblis schon gar nicht. Klar, dass man da als Politiker lieber schnell mit Tränengas und Wasserwerfer darauf hinweist, dass der gemeine Eingeborene im Grunde sei Gosch zu halde hätt’, denn politische Entscheidungen gingen ihn nun mal nichts an. Blöd nur, wenn der doofe Kackbürger das irgendwie nicht so sieht und zickig aufmuckt, der freche Arsch!
Im Zuge dessen wurde von der kurz aufgewachten Bevölkerung sogar der so herrlich dreist durchgeführte nationale Atomverlängerungs-Beschiss der pestschwarz-eitergelben Koalition bemerkt und mit ersten Groß-Demos kommentiert, die allerdings von offizieller Seite erst mal als spaßige linksgrüne Nörgelfamily-Fun-Happenings im Retro-Look heruntergespielt wurden. Langsam greift die Angst nun auch in anderen Bereichen um sich. Sollten die Menschen wirklich wieder anfangen, selbstständig zu denken und ihrem Unmut sichtbar Ausdruck zu verleihen, wäre die Kacke auch in der Medienwelt ganz schön am Dampfen. SAT1 und RTL haben noch am wenigsten Angst, die stellen einfach ein paar Praktikanten mit in die Menge, filmen alles und machen ne Doku-Soap draus. Pro7 macht im Falle einer Demo-Belagerung einfach so lange Urlaub und sendet die Simpsons. Der Angriff der Bevölkerung auf die GEZ-Zentrale könnte allerdings schon emotionaler verlaufen, und ich befürchte, da würden sogar Köpfe rollen. ARD und ZDF beginnen bereits, prophylaktisch sämtliche Türen von innen zu vernageln und keinen Mitarbeiter mehr raus zu lassen. Man plant von jetzt an einfach dort sitzen zu bleiben und gemütlich zu vermodern, bis draußen wieder Ruhe ist. Für den Zuschauer bleibt also alles beim Alten.

STARS AM ENDE

1. Talk mit Toten

Beim Fernsehen muss man immer variabel sein! Wenn dösiges Astro-TV für bekloppte Allesglauber boomt, tägliche Talk-Shows mit lebenden Kandidaten aber nicht mehr funktionieren, weil einfach jedes uninteressante Arschgesicht seine persönlichen Unzulänglichkeiten bereits in die Kamera gepöbelt hat, dann redet man halt einfach mit Toten. So wie Kim-Anne Jannes alias Das Medium, das auf RTL jetzt für die trauernden Zurückgebliebenen mit deren Verblichenen im Jenseits palavert. Ein neues Wort für diese emotional aufwühlende Unterhaltungsform gibt es auch schon: ‚Emotainment’. Wie wäre es mit ‚Perversoportage’, ‚Spukumentation’ oder ‚Kniefickotainment’? Holen Sie schon mal die Taschentücher, ich rufe die Ghostbusters!

2. Spaß mit Würsten

Seien wir ehrlich: was gibt es Spannenderes und emotional aufwühlenderes, als fremden Menschen beim Würstchen grillen zuzuschauen? Eben! Eigentlich ein Wunder, dass die Faszination des Wurstwatchings bislang noch nicht für die große Samstagabend-Show oder das Blockbuster-Kino entdeckt wurde. Aber zum Glück haben wir Kabel 1 und den bildschirmfüllenden Riesenfraß-Experten Jumbo, die uns jetzt gemeinsam mit Jumbos Würstchenmillionär in die faszinierende Welt zwischen Holzkohle und Grillrost entführen wollen. Knackige Kandidaten im Naturdarm stellen sich dem täglichen 12-Stunden-Brat-Contest, das bedeutet große Gefühle rund um den Würstchenwagen. Und der Sieger erhält ein Hi-Tech-Wurstmobil mit allem Schickimicki und kostenlosem Brötchen dabei. Die Zukunft des Fernsehens heißt: Wurstotainment!

3. Schluss mit Schunkeln

Da ging ein brutaler Ruck durch die beschauerlich-schöne Welt der musizierenden Trachtenzombies: der Grand Prix der Volksmusik wird nach nur 25 Jahren eingestellt! Gerade hatten Belsy und Florian Fesl mit ihrem Smash-Hit ‚I hab di gern’ in einem atemberaubenden Herzklopferl-Finale triumphiert, da hieß es auch schon, dass dies der letzte Sieg seiner Art war. Denn auf Grund immer mäßiger werdender Resonanz durch einschlafendes bis langsam weg sterbendes Publikum muss man auf den grandios überflüssigen Drei-Länder-Contest von nun an leider verzichten. The End of Volksmutainment!

2017-02-10T01:40:13+00:00
Hier schreibt der Chef.

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