406. Der Razz und die Katz (TVS 20/10)

Geht man rein nach Marktanteil und Medienpräsenz, dann gibt es momentan nur zwei Personen, die das langweilige deutsche Fernsehen noch retten könnten: Thilo Sarrazin, der starrsinnig schlecht gelaunte Bundesbank-Plattsitzer mit den Nasenflusen, und Daniela Katzenbacher, eine falsch lackierte Barbie-Fehlpressung mit Hirngebläse. Der eine ein provokanter Nationalnörgler mit Hang zum Populär-Rassismus, die andere ein chronisch präsenzgeiles Plapper-Püppchen mit dusseligen Lebensweisheits-Plattitüden in Dauerschleife. Beides Menschen, denen man nicht im Dunkeln begegnen möchte, noch weniger im Hellen. Trotzdem beweisen sie sich als zuverlässige Garanten für Quotenrekorde und Schlagzeilengewitter.Ohne einen bunt-krawalligen Auftritt der zwei charismatischen Knalltüten kommt derzeit kaum ein Sender aus.

Sämtliche Stationen zerbrechen sich deshalb die leergefegten Schädel, mit welchen Formaten man die beiden dauerhaft an sich binden könnte. Thilo solo in der ARD wäre denkbar für diverse Sendeplätze: als Plasberg-Ersatz in Hart aber Fies, als neuer Moderator von Verstehen Sie Spaß? oder statt Maus in Die Sendung mit dem Schnauz (Lach- und Hetzgeschichten mit dem Mann, der alles weiß). Das ZDF wäre der ideale Tummelplatz für die Café-Betreiberin Daniela, zB als Volle Kanne-Nachfolge Pralle Katze! Frühstück servieren, laut dummes Zeug labern und ein bisschen die Gummimöpse aus der Bluse pressen, damit auch endlich wieder ein paar lebende Männer zuschauen. Die Dritten könnten mit beiden als Doppelpack wunderbar eine neue Freitagabend-Talk Show ohne Gäste aufziehen: Razz & Kazz – die erste Gesprächsrunde mit zwei Gastgebern, die sich selbst genug sind. RTL hingegen müsste sich die Finger danach lecken, sie als Jurymitglieder zu DSDS zu bekommen: beide keine Ahnung von Musik, Thilo könnte ausländischen Bewerbern gleich vor Ort ihre genetische Unfähigkeit zu wahrer Leistung erklären und sie zurück in ihr Obstgeschäft schicken, die Katzenbums könnte alle damit trösten, dass selbst die Schlimmsten immer noch besser klingen als sie auf ihrer eigenen Single. Und wenn gar nichts mehr funktioniert, sperrt man das urdeutsche Duo einfach mit Kachelmann, Michel Friedman, Gina Lisa, Boris Becker, Bushido, Alice Schwarzer, Mario Barth und Lothar Matthäus ins Dschungelcamp und schaut, wer lebend rauskommt – die garantierte Quoten Supernova! Das würde sogar ich mir anschauen.

STARS AM ENDE

1. Poppen für Kinder

Nein, diese Jugend von heute! Wird zumindest theoretisch immer früher sexuell aktiv, guckt Pornos auf dem Handy und hält Knattern und Komasaufen für Schulfächer. Aber die wenigsten der kleinen Lümmel- & Luder- Azubis kennen den Unterschied zwischen Kommunion und Kopulation oder wissen, dass man Kondome nicht nur mit Wasser füllen und auf Passanten werfen kann. Deshalb versuchte RTL2 in seiner Dokusoap Generation Ahnungslos mit gewohnt sensiblem Griff an die Genitalien der Zuschauer, Teenies und Eltern in aufklärerische Fickelgespräche zu verwickeln. Ging allerdings in die Hose, bildlich gesprochen. Müssen die Kids halt bis zur Schwangerschaft in der achten Klasse unwissend bleiben.

2. Spitzeln für Fortgeschrittene

Aufatmen bei der GEZ! Sollte durch die geplante Neuordnung des Zwangsgebührensystems der eine oder andere Schnüffler aus dem nationalen Fahndungsapparat verdient arbeitslos werden, kann er sich gleich bei SKY bewerben. Die wollen nämlich jetzt ihre eigenen Sky-Detectives aussenden, um zu prüfen, ob das Programm auch überall nur so genutzt wird wie angemeldet, vor allem in Gaststätten und Hotels. Da es sich um einen Pay-TV-Kanal handelt, darf auch von der Schusswaffe Gebrauch gemacht werden. Schön wäre es, wenn sowieso jeder Privatsender seine eigenen mobilen Kontrolleure hätte, die rund um die Uhr bei uns klingeln und schauen, ob wir auch die richtigen Formate eingeschaltet und genügend Produkte aus der Werbung gekauft haben. Man kann einfach nie genug bespitzelt werden!

3. Rocken für Rentner

Die Idee an sich war gut, wenn auch wie immer dreist geklaut: rüstige Rentner gründen eine Rockband und lassen es noch mal richtig krachen! Nur wo in den Originalvorlagen Aufgabe und Protagonisten im stimmigen Verhältnis zueinander standen, lässt SAT1 seine Helden in Rock statt Rente vor allem als lustige Alte unvorbereitet in ungewohnte Situationen laufen, um möglichst viele Lacher zwischen Schadenfreude und Mitleid zu erhalten. Das macht weder Spaß noch Quote, weshalb es wohl für längere Zeit der letzte Versuch gewesen sein dürfte, Menschen jenseits der jugendlich umworbenen Zielgruppe in das Programm zu integrieren. Schade, das haben die Rentner nicht verdient!

2017-02-10T01:40:13+00:00

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Hier schreibt der Chef.