404. So sieht Deutschland (TVS 18/10)

///404. So sieht Deutschland (TVS 18/10)

404. So sieht Deutschland (TVS 18/10)

Gute Nachrichten! Die neuesten Studien zur landesweiten TV-Nutzung zeigen, dass wir Deutschen endlich wieder mehr fernsehen, im Schnitt ca. 212 Minuten pro Tag. Sehr beruhigend, knapp vier Stunden, in denen die Bekloppten sicher in der Wohnung sitzen und draußen keine Scheiße bauen können. Im Osten sieht es sogar noch besser aus, da wird täglich rund eine Stunde mehr geguckt. Keiner weiß warum. Vielleicht brauchen sie dort länger, um die Sachen zu verstehen oder glauben immer noch, dass sie nicht ohne schriftliche Genehmigung abschalten dürfen. Wahrscheinlich aber liegt es einfach am mdr, dessen dumpfe Monotonie eine Art hypnotische Wirkung auf seine Zuschauer ausübt, welche sie nach wenigen Sekunden in eine komatöse Bewegungslosigkeit fallen lässt, ähnlich den rituellen Trommeltänzen einiger wilder Dschungelvölker.
Ironischerweise steigt proportional zur Verweildauer auch die deutliche Unzufriedenheit mit der immer mieseren Qualität des Programms. Dies lässt vermuten, dass der Großteil des Publikums nur noch aus Mitleid zuschaut, oder aber nicht abzuschalten wagt, in der irrwitzigen Hoffnung es könnte vielleicht besser werden. Psychologen sprechen in diesem Zusammenhang auch von Schockstarre und der Faszination des Grauens, ähnlich Gaffern bei Autobahn-Kollisionen. Man will den furchtbaren Unfall Fernsehen eigentlich nicht sehen, bleibt aber im Sessel sitzen und starrt, obwohl das Leben weiterfahren möchte und laut hupt. Ebenfalls überraschend: junge Mädchen sitzen deutlich länger vor dem TV als Jungen. Kombiniert mit der mangelnden Qualität bedeutet dies: Mädels versinken aus Verzweiflung im Sessel und weinen, Jungens gehen lieber raus und verkloppen Passanten. Weitere Umfragen ergaben, dass jedem von uns durchschnittlich 73 Sender zur Verfügung stehen, aber dass über 80% der Menschen trotzdem nur die immer gleichen sechs davon benutzen. Welche Stationen zu den Top 6 gehören, wurde nicht gesagt, laut Selbstauskunft waren es natürlich stets arte, 3sat, n24, n-tv, phoenix und der ZDF theaterkanal. Aus all diesen Ergebnissen lässt sich schließen: Qualität und Angebotsvielfalt werden überschätzt, irgendwer schaltet den Schrott schon ein und die Ossis reißen die Statistik am Ende eh wieder hoch. Das doofe Publikum glotzt sowieso immer nur das Gleiche und schläft dabei ein. Also bloß nix ändern und alles weiter wie bisher! Herzliches Beileid.

STARS AM ENDE

1. Einzeller in Einzelzellen

Neun ‚Promis’ (Bekanntheitsfaktor ‚Top100 beim DSDS-Casting 2006’ bis ‚Zweiter Platz im Windbeutelwettessen der Kreissparkasse Sindelfingen’) werden in fensterlose Mini-Zellen eingesperrt. Einziger Ansprechpartner: ein ominöser Supercomputer namens Alice (aka irgendeine Sprech-Else mit Texten der Pro7-Redaktion und Hall in der Stimme). Wäre ja nichts gegen zu sagen, hätte man nicht wieder Kameras installiert, um den ganzen Jammer abzufilmen. Dazu noch ereignislose Quälwettbewerbe wie ‚Ganz-viel-Dominosteine-aufstellen’ und ‚Mit-Zunge-an-Glasscheibe-kleben’ plus spaßfreies Grinsgelaber von Allesmoderierblondine Sonya Kraus, fertig ist die Sommergurke SOLITARY! Fiese Folter für die Kandidaten, die trotz Torturen mehr Glück haben als wir – denn in der Zelle können sie den Scheiß wenigstens nicht sehen!

2. Nervende Alleskönner

Liebe Ladies, haben Sie sich schon mal gefragt, was Ihr Lebensabschnitts-verfolger eigentlich so alles kann, vielleicht sogar besser als der Olle von der Mutti nebenan? Dann kommen Sie doch zu Mein Mann kann in SAT.1, da können Sie bei Terror-Talk-Trulla Britt z.B. auf Ihren alten Rochen setzen, wie viel hängende Würste er mit ohne Hände auf dem Trampolin fangen kann. Toll. So bekloppt wie popelig, erinnert aber fast schon wieder an richtiges Fernsehen so wie früher, wo doofe Normalos für Geld doofe Sachen machen mussten. Bereits in Planung sind die Spin-Offs mein Chef/ Kind/ Haustier/ Promi-Mann kann. Ich persönlich wünsche mir zusätzlich mein Arsch kann, meine Frau kann gar nix und mein Mann kann immer, will aber nicht.

3. Eier statt Hirn

Eins der schlimmsten der vielen schlimmen Formate momentan: League of balls, die Bande der Klötenträger. Unsympathische Macho-Matschbirnen absolvieren für P7 geistlose Peinlichkeits-Mutproben mit versteckter Kamera. Als Belohnung winkt die exklusive Mitgliedschaft in einem irre angesagten Club für extrem eklige Arschgeigen, wo ganz viel junge dickmöpsige Mädchen tanzen. Eine perfide Mischung aus Hauptgewinn und Höchststrafe. Billig, blöd und spritzig wie eine voll gestrullte Unterhose. Wahrscheinlich soll der Titel einfach davor warnen, dass sich einem beim Zuschauen die Eier umdrehen.

2017-02-10T01:40:13+00:00
Hier schreibt der Chef.

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