403. Forever GEZ (TVS 17/10)

Völlig überraschend wurde kürzlich eine beinahe sinnvoll erscheinende medienpolitische Reform präsentiert: die Umstellung des bisherigen GEZ-Systems auf eine pauschale Haushaltsabgabe. Wir erinnern uns: die bislang erhobene Pflichtgebühr zur anstrengungslosen Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Kreativkoma-Apparats gilt nicht ohne Stolz als die wahrscheinlich ungerechteste und unsinnigste Zwangsabgabe der ganzen Welt. Blechen muss ohnehin jeder, egal ob man den innovationsarmen Muff der staatlich verordneten Sendezeitverwalter nun nutzen will oder nicht –allein die theoretische Möglichkeit des Empfangs reicht als Zahlungsverpflichtung aus. Der Witz der ganzen Geschichte besteht aber seit jeher darin, die gesamte Gebührenordnung derart absurd kompliziert zu gestalten, dass selbst der Ehrlichste gezwungenermaßen irgendwie ungewollt zum Betrüger werden muss, da es schier unmöglich ist, der systematischen Unlogik der Gebührenordnung Herr zu werden. An diesem Punkt der spaßigen Volksverarschung tritt seit jeher die GEZ auf den Plan, ein professioneller Spitzel-Moloch, der nun seinerseits unzählige Fahnder und Schnüffelschweißhunde von Tür zu Tür hetzt, um eben diese selbst erschaffenen Fehlzahler zu überführen und zur Kasse zu bitten.
Ein kompletter Apparat, der sich aus der eigenen Ungerechtigkeit speist. Quasi ein parasitärer Vampir, der sich das Blut aus dem eigenen Arsch saugt, von vielen Betroffenen deshalb häufig als Medien-Stasi oder Gebühren-Gestapo beschimpft – polemische Vergleiche, die ich an dieser Stelle weder gutheißen noch auf inhaltliche Richtigkeit überprüfen möchte. Fast schien es, als könnte die geplante Umstellung auf die pauschale Haushaltsabgabe beiden Seiten nun wirklich eine Verbesserung bringen: dem öffentlich-rechtlichen Faulenzerparadies eine garantierte beträchtliche Mehreinnahme ohne Anstrengung, der Bevölkerung die längst überfällige Abschaffung des irrsinnigen GEZ-Apparats. Nur dass dieser sich sofort zu Wort meldete und die eigene Auflösung entschieden dementierte: die Haushalte müssen schließlich auch nachgezählt und überprüft werden, jetzt erst recht! Bevor man eine so toll eingespielte Überwachungsfabrik aufgibt, werden sich ja wohl noch ein paar Stolperfallen einbauen lassen, in die der ahnungslose Bürger auch weiter tappen kann! Schön zu wissen, dass die Vernunft niemals siegen wird. Wenn sich eine richtig gigantische Dummheit erst einmal bewährt hat, wäre es ja auch schade, sie einfach so aufzugeben!

STARS AM ENDE

1. Liebe, Sonne, Langeweile

Meist soll der Zusatz ‚Von den Machern von…’ das Mittelmaß des vorliegenden Produkts durch Nennung früherer Highlights verschleiern. Wenn es allerdings heißt ‚Von den Machern von Verdachtsfälle und Familien im Brennpunkt’, kommt man schon ins Grübeln, von welch unsagbarem Haufen Alien-Dünnschiß die hier zitierten Kackehaufen wohl ablenken sollen. Die BIG BROTHER-Nachfolge-Dokunovela X-Diaries – Love, Sun & Fun ist jedenfalls schon vom Titel her ein intellektueller Tritt in die Eier. Inhalt: die Urlaubsabenteuer talentbefreiter Laiendarsteller auf Mallorca, pro Folge je ein Sonnentag plus nächtlicher Party. Also knorpeldoof gescriptetes Gestümper zwischen Bodybräunen und Bumsanbahnung. Mir ist jetzt schon schlecht.

2. Heute hier, morgen da

Dass Politiker sich nur all zu gern polternd in die eigentlich neutral gedachte Medienwelt einmischen, wissen wir spätestens seit dem öffentlichen Abschuss des unbequem gewordenen ZDF-Chefredakteurs Brender. Oder seit der Ankündigung, dass der bisherige Regierungssprecher Ulrich Wilhelm jetzt Intendant des Bayerischen Rundfunks wird. Nun aber flutscht das Zäpfchen mal in die entgegen gesetzte Richtung, denn Mr. Heute Steffen Seibert wirft die Nachrichtenblätter in die Tonne und wird stattdessen der neue Regierungssprecher von Angela Merkel! So gesehen stehen jetzt auch alle Türen dafür offen, dass Westerwelle Intendant des mdr wird, Kerner Vizekanzler, Wulf Nachfolger von Günter Netzer, Pofalla Assistentin von Gottschalk, Leutheusser-Schnarrenberger die neue Heidi Klum und Bushido Justizminister.

3. Furz im Fort

Erinnern Sie sich noch an Fort Boyard? Nicht wirklich und wenn doch, dann nicht besonders gerne, denke ich mal. Eines der frühen Formate, in denen ein Haufen schwitzender Promi-Rudimente sich in albernen Spielchen abmühen musste, um ein imaginäres Fort zu erobern. Vor 20 Jahren setzte SAT1 das nutzlose Langweilerformat in den Sand, vor zehn dann noch einmal Pro7 und jetzt will Kabel Eins sein Pech versuchen! Insgesamt 54 wenig bis mäßig bekannte Medienfurunkel werden sich dann neun Folgen lang erneut anstrengen, das faule, desinteressierte Publikum daheim für die unsinnige Plackerei zu begeistern. Und wahrscheinlich auch wieder ohne Erfolg!

2017-02-10T01:40:13+00:00

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Hier schreibt der Chef.