397. Organismus Fernsehen (TVS 11/10)

///397. Organismus Fernsehen (TVS 11/10)

397. Organismus Fernsehen (TVS 11/10)

Also wirklich, diese Natur da draußen ist schon ein verrückter Hund! Ziemlich starrsinnig im Grunde, denn immer wieder bockt sie auf und will mit ihrer Stärke protzen. Ein Erdbeben hier, eine Überflutung dort, Dürre, Wirbelsturm, blablabla – und meist gibt sie uns Menschen auch noch dafür die Schuld, weil wir das Ökosytem verletzt hätten! So ganz ernst nehmen kann man sie allerdings nicht: erst jammert sie uns die Ohren voll, wir sollten endlich ihre vielen Ozonlöcher schließen, weil sich die ganze Erde viel zu doll erwärmt, aber dann schickt sie uns einen derart scheißkalten Winter wie den letzten! Anscheinend weiß die zickige Natur auch nicht, was sie wirklich will. Und wenn gar nichts mehr funktioniert, lässt sie einfach aus der Rektalregion Island einen gigantischen Aschefurz und legt mal kurz das gesamte europäische Flugsystem lahm. Was für eine Diva! Fast könnte man meinen, es stecke so etwas wie Methode hinter dem ganzen Gewusel und Gewachse. Wenn dem so ist, was wird dann bloß aus dem so lieb gewonnenen Organismus Fernsehen? Wie lange kann er noch mit der mutwilligen Selbstzerstörung durch seine Bewohner fertig werden, bis es ihn gänzlich zerbröselt?

Da ist z.B. der einst so blühende öffentlich-rechtliche Rosengarten, der von übereifrigen Forstbeamten der alten Schule mit der groben Heckenschere so brutal zusammengestutzt wird, dass sich seit Ewigkeiten keine neuen Knospen mehr zu sprießen trauen, während die Wurzeln von unten vertrocknen und der Nährboden verdorrt. Fun-Park Pro7 hat sich von der ehemaligen Prachtanlage für das Entertainment der Next Generation durch Fehlpflanzungen minderwertiger Schrottware in ein dümpelndes Moorgelände voll Fäulnis und Morast verwandelt. Das identitätslose Nachbarareal SAT1 will es immer allen recht machen und pflanzt daher in hyperaktiver Ahnungslosigkeit einen wild wuchernden Mix aus Kraut und Rüben ohne Substanz in die Botanik. Während Großkotzmeister RTL mit der Arroganz des vermeintlichen Siegers den gesunden Menschenverstand am eigenen Hintern vorbeiwehen lässt und einfach macht was es will, ohne zu merken, wie es sich selbst das eigene Fundament für die Zukunft zerstört. Von den Dutzenden Schrebergärtnern drum herum ganz zu schweigen. Den Gesetzen der Natur nach müssten wir in nächster Zeit mit Heuschreckenplagen bei Pro7, Vulkanausbrüchen in der SAT1-Kantine und einem Erdbeben im Schlafbereich der ARD rechnen. Oder wenigstens mit einem Tsunami auf der RTL-Toilette.

STARS AM ENDE

1. Trauertanz

Wieder einmal hat Deutschland mit den Augen gewählt und nicht mit dem Herzen. Der grazile Gurkengott Achim Mentzel musste das seelenlose Restpromi-Gehoppel Let´s Dance verlassen, weil zu wenig Menschen mit Kunstverstand zu seiner Unterstützung anriefen. Für die breite Masse war sein Tanzstil wahrscheinlich einfach zu anspruchsvoll, eine liebevolle Melange aus Kunst und Chaos, eine Vermählung aus Zärtlichkeit und Animalität. Achim hatte keine Angst vor dem Tanzen – der Tanz hatte Angst vor Achim! Ohne ihn gibt es keinen Grund mehr, das belanglose Stumpenballett eines weiteren Blickes zu würdigen. Aber in meinem Herzen wird Achim weitertanzen!

2. Wahlbetrug

Der gepflegte Zuschauer-Beschiss im Fernsehen ist längst kein Kavaliersdelikt mehr, sondern inzwischen eher als eine Art Sport zu betrachten. So forderte SAT1 in seiner spaßigen Fake-Verarsche Die Comedy-Falle jüngst das Publikum auf, mit kostenpflichtigem Anruf seinen Lieblingsfilm aus der Sendung zu wählen! Diese war allerdings eine zwei Jahre alte Wiederholung, bei der verständlicherweise der Sieger schon lange feststand. Hihi. Das Geld wurde allerdings ganz aktuell eingesackt. Und Sat1 sagte später, sie hätten theoretisch aus verschiedenen Enden auch einen neuen Sieger rein schneiden können, das war alles fair und transparent. Klar, glauben wir sofort! Würde mal sagen, da hat die lustige Comedy-Falle doch mal wieder voll zugeschnappt. Lustig!

3. Augenklage

Kriminalakte ARD: Kürzlich klagte die Grafikerin, die vor 40 Jahren den legendären Tatort-Vorspann kreierte, auf Namensnennung und nachträgliche Vergütung. Nun ziehen die Augen nach, die damals für ein paar Mark fuffzig abgefilmt und bereits über 19.000mal ausgestrahlt wurden, und fordern wenigstens Geld für eine neue Brille. Die Hände, die schützend vor den einen Kerl gehalten werden, bereiten ebenfalls eine Klage vor, genau wie die wegrennenden Füße und der Daumenabdruck. Der Bauarbeiter, der den Weg asphaltiert hat, auf dem der Unbekannte läuft, hat auf finanzielle Forderungen verzichtet, möchte aber, dass die Straße nach ihm benannt wird.

2017-02-10T01:40:14+00:00
Hier schreibt der Chef.

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