386. The Return Of Weihnachten (TVS 25/09)

Endlich ist es wieder soweit: Weihnachten steht vor der Tür! Die teuerste Zeit des Jahres, aber irgendwie auch die schönste. Vor allem auch die Zeit der Errettung und Erlösung, denn all die Monate wirtschaftlichen Darbens im Klein- und Großhandel finden ihren glücklichen Ausgleich für den Jahresabschluss an den kauflustigen Adventstagen. Die einzigen Wochen hemmungslosen Geldausgebens, chronischer Maßlosigkeit und glühweinklebriger Hirnschmelze. Der fette Weihnachtsmann ist längst zum skrupellosen Erfüllungsgehilfen des internationalen Kapitalismus verkommen. Und das ist gut so! Denn Konsum ist in Zeiten der Banken-Bulimie kein Luxus sondern Pflicht, das wissen wir alle. Wer dieses Jahr mit so schwulen Ideen wie ‚Man kann sich ja auch mal nichts schenken’ um die Ecke kommt oder was aus alten Kastanien bastelt, ist ein stinkender Kommunist und gehört auf offener Straße angespuckt! Besinnen wir uns endlich wieder auf unseren gesunden Egoismus. Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und dieser ganze Weiberkram müssen mal kurz Mittagspause machen, während wir der krüppeligen Wirtschaft wieder auf die Beine helfen. Wenn es uns dann selbst besser geht, können wir ja vielleicht auch wieder anderen helfen, falls uns wirklich nichts Besseres einfällt. Jetzt denken wir erst mal schön an uns. Vorsicht deshalb auch vor dieser ganzen unkoordinierten Spenderei. Kurz vor Weihnachten tut ja jeder noch so seelenlose Schweinesender immer so, als hätte er so etwas wie ein Stück Herz oder einen ranzigen Rest Gewissen, und sammelt daher medienwirksam für irgendwen in irgendeiner Not. Da verweisen wir doch lieber mit Recht auf den scheinheiligen Zynismus solcher Aktionen und behalten die Asche schön für uns, hohoho! Selber fressen macht fett, und man kann ja immer sagen, man würde lieber freiwillig nächstes Jahr einfach mal so etwas geben. Hat bis Januar eh jeder vergessen. Geben wir es endlich zu: Weihnachten ist nicht das Fest des Gebens, sondern des Bekommens!

Im Fernsehen hingegen ist es vor allem das Fest der Trägheit und Beständigkeit. Rituell abgestumpft lassen wir uns alle Jahre wieder die exakt gleiche Schale Schmalzkringel vor die Runkel setzen wie seit ewigen Zeiten, so als könnten einem durch neue Programme die Nadeln von der Tanne fallen. Wäre der Hintern nicht breiter geworden, man könnte denken, es wäre immer noch letztes Jahr. Heiligabend werden wie immer Marianne & Michael im ZDF an der Krippe stehen und das imaginäre Jesuskind anknödeln, und in den Programmtrailern aller Sender wird wieder Kunstschnee schuppengleich die Schultern der selig grinsenden Moderierfressen bestäuben, während der Kitsch aus dem Bildschirm suppt, bis wir den Boden wischen müssen. Aber wie immer werden wir das alles  lieben und brav mitspielen. Bis wir am Silvesterabend den sentimentalen Stecker aus dem verzuckerten Arsch des Jahres ziehen und uns die Lampe anzünden, bis die Erinnerung verglüht. Frohe Weihnachten!

STARS AM ENDE

1. Kochsender

Eigentlich sollen die Politiker laut Verfassung ihre schmierigen Manipuliergriffel ja gefälligst aus den Medien raus halten, aber über solch frommen Wünsche können die machtverwöhnten CDU-Zwerge im ZDF-Verwaltungsrat nur herzhaft lachen! Nach vielen Monaten mühsamen Mobbings wurde deshalb unter der Führung des verkniffenen Hessenwichtels Roland Koch nun endlich der politisch unbequeme Chefredakteur Nikolaus Brender mit eleganter Großkotzigkeit aus seinem Amt entlassen. Natürlich nur aus Sorge um die Qualität des Programms, hüstel hüstel. Wieder ein störender Rest journalistischer TV-Kompetenz verkocht, Gratulation! Darauf eine Extrarunde Traumschiff und einen Furz ins Forsthaus Falkenau!

2. Doofenduell

Was sendet man im öffentlich-gemächlichen Fernsehen am besten vor einer täglichen Quiz-Show, die ungefähr so spannend ist wie eine Tasse kalter Blasentee? Richtig! Eine andere tägliche Quiz-Show, die noch unaufregender ist und den Blutdruck so in den Keller drückt, dass man vor Müdigkeit nicht mehr umschalten kann. Clevere ARD! Deshalb quält man uns dort jetzt vor dem Quiz mit Pilawa noch mit Das Duell, quasi dasselbe in schnarch, nur mit jeweils einer Art Promi und einem Normalo. Das Konzept ist im Grunde gar nicht mal blöd – muss echt ganz schön schwierig sein, das trotzdem jeden Tag so behäbig, stinklangweilig und belanglos hinzubekommen. Respekt!

3. Kernerchaos

Achtung! Der sympathisch überbezahlte Johannes B. Kerner, bekannt aus beliebten Werbungen wie z.B. für Aufschnitt, Blubberwasser, Joghurtspeisen und Körnerriegel, ist nach Jahren Nachtlaberei im ZDF kürzlich wieder zu SAT1 zurück gewechselt. Wo er jetzt statt der bisherigen Talk-Show eine ganz neue Talk-Show macht, die fast genau so heißt wie vorher und auch so aussieht, nur noch länger und weiliger. Verwirrenderweise aber viel früher und an einem ganz anderen Tag. Um das Chaos perfekt zu machen, wurde allerdings auch dieser Sendeplatz noch einmal geändert, auf wieder später und wann anders, Donnerstag glaub ich, kann allerdings ganz schnell Sonntag früh oder gar nicht mehr werden. Ist aber auch egal, guckt eh keiner!

2017-02-10T01:40:15+00:00

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Hier schreibt der Chef.