382. Die Ehre der Fischlis (TVS 21/09)

Wow, das hätte ich dem maritimen Fischkopp-Seniorenstift NDR gar nicht zugetraut! Da tun die immer so freundlich und seriös, aber in Wirklichkeit wuchert der mafiöse Pilz der Korruption unter ihren öffentlich-rechtlosen Zehennägeln! Da soll doch wirklich deren Fernsehspielchefin Doris Heinze jahrhundertelang hauptsächlich Bücher von ihrem eigenen Ehemann unter falschem Namen (He-Heinz) durchgewunken haben. Nein, wir wollen fair bleiben, es war wohl nicht alles nur Vetternwirtschaft, einige Skripte hatte sie scheinbar auch selbst geschrieben und bei sich unter Pseudonym (Heinz E. Dorris) eingereicht. Was sie manchmal vor lauter Stress und Mittagspausen einfach gar nicht merkte, also keine böse Absicht. Oft wunderten sich die Mitarbeiter allerdings schon, wenn sie mit falscher Nase und angeklebtem Schnurrbart zur Arbeit kam, oder stundenlang lautstarke Autorengespräche führte, obwohl man außer ihr nie eine Seele das Büro betreten oder verlassen sah. Man schob es einfach auf gewöhnliche Geisteskrankheit, nicht unüblich beim NDR. Und dass so viele unterschiedliche Autoren alle die gleiche Adresse und Kontonummer hatten, konnte sehr wohl bloßer Zufall sein.Ganz ‚normale’, d.h. nicht blutsverwandte Autoren, mussten sich hingegen ziemlich anstrengen, bei der Patrona überhaupt vorgelassen zu werden. Wer die Katze auf ihrem Schoß nicht mochte, den Ring nicht küsste oder keine Geschenke mitbrachte, bekam in der Branche keinen Fuß mehr auf den Boden und fand einen abgetrennten Kabeljau-Schädel im Bett. Jetzt stellte sich zudem heraus, dass Lady Fantomas ihr (für den NDR unter wieder anderem Namen verfasstes) Buch ‚Dienstage mit Antoine’ später auch als ‚Dienstage mit Marie’ an das ZDF verkaufte. Die kaum merkbare Ähnlichkeit im Titel war verständlicherweise niemandem aufgefallen, man dachte einfach, es handle sich um eine Weiterführung der beliebten NDR-Filme ‚Montage mit Doris’, ‚Mittwoche mit Heinzi’ und ‚Wochenenden mit mir selber’, die außer in der Handlung, den Wochentagen und Dialogen ja auch grundverschieden waren.

Doch ganz ehrlich: sie hat das alles ja nur getan, weil die Bücher sonst wahrscheinlich keiner gekauft hätte, wenn sie nicht für sich bei sich ein gutes Wort eingelegt hätte. Und als Angestellte der Anstalt hätte es dann sogar auch noch weniger Geld für sie gegeben. Da muss man ja betrügen, wenn man nicht gezwungen sein will, ehrlich zu arbeiten. Und wem wurde schon geschadet? Nur dem reichen NDR, allen anderen Autoren und dem ohnehin doofen Publikum.  Es würde nicht wundern, wenn sie auch einige Manuskripte unter dem Namen Robin Hood eingereicht hätte!  So ist es halt, wenn man Kreativität dem Beamtenstatus überstellt.  Die besten Ideen werden verschlafen oder tot diskutiert, den Rest verwalten diejenigen, die meinen sie könnten es im Grunde sowieso besser, wenn es nicht so anstrengend wäre. Und Ihnen bleibt nichts als der Antrieb, wenigstens denen zu schaden, die noch Ideale haben.

STARS AM ENDE

1. Verkehrte Welt

Endlich darf wieder Deutsch gesungen werden, denn die gute alte, in Frieden verstorbene Hitparade kehrt zurück! Allerdings nicht im ZDF, wo man noch immer befürchtet, zu laute Musik könnte das Publikum aufwecken – sondern beim einst so cool gemeinten RTL2, dem ehemaligen Jungschmuddelkanal für untervögelte Hauptschulabbrecher. Da man aber auch dort langsam das Image aufpolieren möchte und merkt, dass jede neue Idee nur noch schlimmer wird als selbst die mieseste alte, holt man nun lieber die deutsche Schlager-Contest-Show der 70er aus der Gammeltüte. Aber man freut sich inzwischen ja schon über alles, was keine Doku-Soap ist!

2. Peinliche Preise

zuschustern und wie entsetzlich nichtssagend die momentane TV-Landschaft ist. Und natürlich ist das blöd, dann jedes Jahr aufs Neue Highlights küren zu müssen, wenn es im Grunde gar keine gibt. Aber sich überhaupt zu trauen, einen verquarkten Brägenmatsch wie Lasko – Die Faust Gottes für den Fernsehpreis oder die schmerzhaft oberschlechte Spaß-Diarrhöe 4 SINGLES für den Comedypreis auch nur zu nominieren, kann nicht mal mit Bestechung oder Verzweiflung entschuldigt werden. Von vielen anderen Kandidaten ganz zu schweigen. Dann doch lieber die Trophäen im Schrank behalten. Oder die Schuldigen damit verprügeln!

3. Eingesperrte Brüder

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten! Okay, vielleicht ein kleines Haus mit Kameras und zwei separaten Bereichen, einen im Osten und einen im Westen, mit Drahtgitter dazwischen. Denn so in die Richtung plant man die – Fanfare! – zehnte BIG BROTHER–Staffel im nächsten Jahr. Nicht wie früher Arm gegen Reich oder Kackeblöd gegen Scheißedoof, nein, Ost gegen West soll das Thema sein! Wahrscheinlich sitzt einfach der eine Teil in der Ecke und nörgelt, während der andere lacht und Bananen über den Zaun wirft. Die Nation wird nur nicht jubeln wenn alles vorbei ist, sondern vorher versuchen die Türen zuzunageln.

2017-02-10T01:40:15+00:00

Über den Autor:

Hier schreibt der Chef.

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