371. Gebündelte Dummheit (TVS 10/09)

Meine Lieblingsgeschichte der letzten Wochen: die bayerische GEZ drohte einer zu 100% Schwerbehinderten, stummen und tauben 88-jährigen mit Zwangsvollstreckung wegen Nichtzahlung der Rundfunkgebühren! Klar, so leicht können sich diese Simulanten-Schnorrer nicht herausreden, sie hätte schließlich beim Inzestfest der Volksmusik die melodischen Vibrationen einfach ertasten können, und die Gute Laune-Schwingungen der öffentlich-rechtlichen Freudenspender erwärmen das Herz, auch wenn man weder sehen noch hören kann! Da muss man sich schon wirklich was Besseres ausdenken, um sich vor der GEZ zu drücken. Wie es sich herausstellte, war letzten Endes aber nur die Bürokratie schuld, weil die verschiedenen Anträge in unkorrekter Reihenfolge an die falschen Stellen gerichtet wurden oder so, und den gesunden Menschenverstand einzuschalten wäre einerseits gegen die Vorschriften und andererseits auch zu anstrengend gewesen. Wobei ich mir schon manchmal Gedanken mache, wieso es grundsätzlich so schwer zu sein scheint, den eigenen Verstand zu benutzen, so man ihn im Lauf des Lebens nicht mal irgendwo im Bus oder an der Garderobe liegen gelassen hat. Seltsamerweise scheint die Dummheit größer zu werden, je mehr Menschen auf einem Haufen sind, vor allem wenn es sich um Fachleute handelt. Jeder Einzelne hätte bei obiger Geschichte natürlich sofort verstanden und sich lachend entschuldigt, sobald sich aber mehrere Individuen zu einer Behörde zusammenschließen, ist das selbstständige Denken außer Kraft gesetzt. Jeder Finanzexperte der Welt hätte einem wahrscheinlich ganz vernünftig erklären können, was man alles nicht tun darf, um im Immobiliengeschäft auf die Fresse zu fallen. Ein ganzes Rudel Superbanker auf einem Haufen, sich gegenseitig im mathematischen Testosteronkoller die Zahlen wie eine rechnerische Morgenlatte in den Himmel der Glückseligkeit reibend, und schon benimmt sich ein internationales Finanzsystem blöder als Franjo Pooth, verkackt mal nebenbei eine Billion und sagt dann laut ‚Oops, sorry!’. 

Schön ist allerdings, dass wir daraus lernen, alles ist okay, solange man nur im richtig großen Stil Scheiße baut. Ein paar Tausend Euro privat in den Sand gesetzt und man hat die Arschkarte oder Peter Zwegat am Hacken, da gibt es keine Gnade, aber bei gigantomanischer Verkackung in globalem Ausmaß kommt sogar die Regierung und drängt einem die Milliarden als kleines Hilfsgeschenk regelrecht auf, fast wie früher die Oma einem noch die Tafel Schokolade in die Jacke schob, auch wenn man schon nicht mehr in die eigene Hose passte. Toll aber auch, dass diese ganze Riesengrütze, in die quasi die gesamte westliche Welt schon seit langer Zeit kontinuierlich geritten wurde, ohne dass auch nur mal jemand ein Räuspern der Vorahnung verlauten ließ, von so genannten Top-Managern und Super-Experten verursacht wurde, die sich vor der Pressemeldung selbst noch mal schnell das Weihnachtsgeld erhöhten. Hätte ich nur einen Euro für jedes Mal, wo mir ein ahnungsloser Fachmann grinsend sagte ‚Entspannen Sie sich und lassen Sie mich mal, ich weiß was ich tue’, bevor er sich selber in die Hose machte und mir später das Abputzen überließ, ich wäre ein reicher Mann. Und hätte ich jedem, der es verdient hätte, danach persönlich eins in die Fresse gehauen, ich könnte diesen Text nicht mehr selber tippen.

STARS AM ENDE

1. Hotel des Grauens

Chapeau, ARD! Nur einen Tag nachdem das ZDF mit Reich-Ranicki über intellektuelles Fernsehen und die doofen Privaten schwafelte, schüttelte das Erste mal ganz lässig die wahrscheinlich größte Scheiße des neuen Millenniums aus dem Entertainment-Ärmel: Das Musikhotel am Wolfgangsee! Patrick Lindner als Besitzer einer heruntergekommenen Bumsbude im Salzkammergut, Sascha Hehn als schmieriger Schweinehund, und alle fünf Minuten fängt irgendein Idiot an zu singen, ohne dass ihm einer dafür aufs Maul haut. Eine Zeitreise ins Pleistozän der Doofen-Unterhaltung – so blöd und stümperhaft hat man Fernsehen schon lange nicht mehr gesehen!

2. Kampf der Giganten

Leicht war es für das Publikum auch so noch nie, die großen Jahresrückblicke von RTL und ZDF auseinander zu halten, aber seit Jauch eine Brille trägt, ging es schon etwas besser. Dieses Jahr aber haben sich die zwei konkurrierenden Volkssender die Schweinchen Schlau-Karte gegenseitig in den Hintern geschoben, denn diesmal senden sie einfach gleichzeitig! Jauch gegen Kerner, und der Verlierer ist auf jeden Fall der Zuschauer. Und beide versauen sich die Quote gegenseitig, glücklich wird da keiner, aber der Kanal mit einem Prozent mehr hat am nächsten Tag trotzdem einen Dauerständer. Stolz, Dummheit und Irrsinn liegen halt sehr nah beieinander.

3. Rückkehr der Idioten

Da konnte man SAT1 letztens trotz aller Flopperei mal gratulieren, weil sie endlich so fair waren, ihren nächtlichen Dauerbetrug durch die schmierigen Armleuchter am Flipchart abzusetzen, da machen sie es auch schon wieder rückgängig! Freuen wir uns also über Quiz Night Reloaded, die Rückkehr der unsympathischen Abzocker-Arschgeigen. Will keine Sau sehen, macht keinen Spaß, ist gesendetes Vakuum mit dem einzigen Ziel, armen Schweinen die Kohle aus der Tasche zu labern. Ekelhaft, aber schweinebillig und am Ende trotz moralischem Ausverkauf finanziell erfolgreich. So funktioniert Fernsehen.

2017-02-10T01:40:16+00:00

Über den Autor:

Hier schreibt der Chef.

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