369. Endlich wieder Ostern! (TVS 08/09)

Ostern wird unterschätzt. Das kommt ja quasi so gut wie jedes Jahr und ist immer wieder ein tolles Fest. Im Grunde genau wie Weihnachten, nur halt in anders. Farblich gesehen eher Richtung Grün mit Bunt statt Rot und Weiß. Der fette Weihnachtsmann wird ersetzt durch den ähnlich unsinnigen doch ungleich schlankeren Osterhasen, den man mit dem Kollegen Osterlamm praktischerweise auch gleich zum Fest verspeisen kann. Geschenke werden hier ebenfalls gebracht, allerdings erschreckend weniger, weil das mickerige Köttelkarnickel in seinem Korb nicht so viel transportieren kann wie Santa mit dem prallen Sack. Durch den weihnachtsbedingten Tannenmangel im Frühjahr gibt es keinen offiziell lokalisierbaren Ablageplatz für die Präsente, weshalb man sie einfach überall in die Gegend wirft und aus dem affigen Gesuche danach noch ne große Nummer macht. Die wahrscheinlich irgendwann im Vollsuff entstandene Legende will es so, dass es sich bei ihnen in erster Linie um Eier handelt. Da es aber ziemlich unromantisch ist, jemandem zum Fest eine farblose Knolle zu schenken, die gerade irgendein doofes Huhn aus dem Arsch gedrückt hat, müssen diese bunt bemalt oder durch Schoko-Placebos ausgetauscht werden. Sinn macht das alles keinen, aber es bleibt faszinierend, wie die Menschen es schaffen, wirklich jedes festliche Ereignis der Weltgeschichte durch ein paar bekloppte Rituale auf Doofen-Niveau runterzukloppen.

Das Fernsehen haut ebenfalls mächtig auf die Kacke, vor allem mit vielen großen Spielfilmen, teils sogar als Erstaufführungen und dann meist gleichzeitig gegeneinander. Besonders gerne werden rund ums O-Fest immer alle ollen Sandalenschnulzen und Bibelfilme weg gesendet, die für Heiligabend zu grausam sind, denn da will man ja eher so schmalzige Kuschelrock-Schneeschnulzen mit Kaminknistern, in denen die Bösen ihren Opfern am Ende selbst den Gänsebraten kaufen und schriftlich um Verzeihung bitten. Karfreitag hingegen kann man auch ruhig mal zünftig das Blut spritzen lassen, so mit unschuldig verfolgten Christen, die im alten Rom von Löwen gefressen werden, und irgendwer zeigt bestimmt auch wieder den Jesus-Kreuzigungs-Splatter von Mel Gibson. Aber das liegt nun mal an den Anlässen der Feste – Weihnachten ist Kindergeburtstag, Ostern ist Beerdigung plus kollektives Schuldgefühl. Wenn Sonntag nicht der lustige Eierhase vorbeihoppeln würde, hätten sich die meisten wahrscheinlich noch vor dem Epilog mit der Auferstehung aufgehängt. Der Rest des Programms besteht wahrscheinlich wieder aus den gewohnt austauschbaren Armleuchter-Mega-Show-Events wie ‚Das große Promi-Eiersuchen/-verstecken/-kaufen/-kochen/-bemalen/-ausblasen/-bewerfen`, die ‚Giga-Oster-Hits zum Mitsaufen` und jeder Menge nutzloser Pseudo-Dokumentationen über das größte XXXXXL-Omelett der Welt bei Gallileo oder ‚Hitlers hohle Eier’ von Guido Knopp im ZDF. Und Freunden des billigen Kalauers bleibt zu Ostern immer noch der Griff zum Western. Ei, wie lustig.

STARS AM ENDE

1. The Return Of Horror-Horni

Was macht eigentlich… der schwäbische Schmierhaarbesitzer Thomas G. Hornauer? Seit seinem spirituellen Erweckungssender Kanal Telemedial die Frequenz entzogen wurde, war es ja ziemlich still geworden um den unfreiwillig abgetauchten Messias des Wahnsinns. Doch jetzt kehrte er zurück – als uneingeladen im Bild stehen bleibende und gruselig vor sich hin glotzende Dämonenerscheinung hinter Reporter Lothar Becker im ZDF Special zum Amoklauf in Winnenden. Niemand weiß, was das lebende ‚Bildproblem’, wie Steffen Seibert ihn souverän nannte, mit dieser geschmacklos-penetranten Performance erreichen wollte. Vielleicht war es ja nur seine Bewerbung als neuer Anchorman im Heute-Journal.

2. Ende der Vorstellung

Weihnachten wird nie wieder so sein, wie es mal war! Die ARD gab völlig überraschend bekannt, 2009 zum ersten Mal seit über hundert Jahren am zweiten Feiertag keine neue Folge von Stars in der Manege auszustrahlen, nur ein popeliges Best of. Die Käfigtiere weinen bitterlich, Zirkuspferde laufen seit Tagen ohne Feder auf dem Kopf panisch im Kreis und diverse dressierte Pudel haben sich bereits selbst mit der Dompteurspeitsche aus dem Löwenzwinger erdrosselt – was soll jetzt aus ihnen allen werden? Und wie sollen wir uns standesgemäß und traditionsbewusst zum ausklingenden Christfest kollektiv zu Tode langweilen? Sehr verantwortungslos, liebe ARD!

3. Kluger Uli

Kaum jemand auf der Welt ist mehr zu beklagen als ein vor Geld stinkender Top-Verdiener aus der Bundesliga, der im internationalen Vergleich aber zu wenig Kohle bekommt. Unfairer und trauriger geht es kaum. Deshalb schlug Uli Hoeneß jetzt vor, die GEZ-Gebühren um 2 Euro freiwillige Fußballabgabe zu erhöhen, damit sich dort keiner unserer Millionäre mehr vor den ausländischen Milliardären für seine Armut schämen muss. Finde ich gut, wenn die Regierung schon nicht einschreitet, sollten wir Bürger helfen, den Sportlern den Arsch zu vergolden. Von mir aus gleich jeder Bürger 5 Euro und Arbeitlose das Doppelte, die gucken ja viel mehr!

2017-02-10T01:40:17+00:00

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