364. Es geht schon wieder los! (TVS 03/09)

Ja, keine Frage – es ist wieder mal Jahresanfang! Und es fühlt sich eigentlich exakt an wie das letzte Jahr… und das davor oder das davor oder so. Es ist fucking kalt, wir kriegen von allen zu hören, dass wir den ohnehin engen Gürtel schon wieder enger und die Arschbacken zusammenkneifen müssen. Die Strassen sind gepflastert mit riesigen Bildern vom gebückten Uri Geller, dem hundert Raben aus dem Hintern fliegen, und der mit der baldigen Rückkehr seines mental verstrahlten Mentalistengeschwaders droht. Das Beklopptenheim des Grossen Bruders hat unter Ausschluss der Öffentlichkeit wieder eröffnet und eine Horde exhibitionistischer Ekelfressen ins betreute Wohnen gesperrt. Und überall um uns herum wurden die langweiligen Rückblicke durch die noch langweiligeren Vorschauen abgelöst, die alle nichts wirklich Gutes verheißen.

Vor allem aber wird uns schon wieder ein madiges Mahl aus der fauligen Schale des bis dato glücklich vergessenen oder angenehm ignorierten Promi-Gammelfleischs aufgetischt, das sich uneingeladen und ungefragt in unser alltägliches Leben modert. Same procedure as every year – RTL hat die an den Straßenrand der Medien gestellten Altstar-Tüten ausgeschabt und in den schimmeligen Falten noch ein paar Rest-Exemplare gefunden, die sie zur medialen Fun-Folter ins Dschungelcamp schicken konnten. Und so hockten sie wieder wie die Zwerge dumm im Gebüsch herum, schwitzten vor sich hin, zickten sich an und weilten sich lang, kuschelten mit Kakerlaken, soffen pürierte Klöten-Cocktails, fraßen lebendes Ungeziefer mit genitaler Sättigungsbeilage, heulten, furzten, rotzen und litten lautstark für das Publikum. Vor allem aber übten sie sich zumeist in der hohen Kunst des Selbstbetrugs. Wenn die meisten von ihnen versuchten, sich und den Zuschauern zu erzählen, dass sie nicht wegen der Kohle oder der traurigen Bettelei um ein Quantum Trost und Aufmerksamkeit gekommen seien, sondern um sich mal einfach an ‚die eigenen Grenzen zu bringen’. Oder ‚fremde Menschen in Extremsituationen kennen zu lernen’. Hahaha. Da kann man auch einfach öfter mal wieder mit dem Bus fahren, sich die Haare im Bahnhofsklo waschen, kaputt frittierte Hühner-Karzinome im Chicken-Imbiss fressen oder sich Leberwurst auf den Schniepel schmieren und nackt durch die Hundeschule laufen! Immerhin konnten wir lernen, dass so ein Promi schon ein seltsames Wesen ist. Manchmal ist er irgendwie fast so wie wir – einfach mal nur scheiße drauf, ein bisschen doof, oder er schämt sich vor anderen einen fahren zu lassen. Oder er ist so wie die blonde Siegel-Nuss, so zwischen unangebrachter Selbstverliebtheit, dümmlicher Arroganz und egomanischer Belanglosigkeit. Schön ist das alles nicht. Und man fragt sich einmal mehr, warum man die alle andauernd ertragen muss. Vielleicht nur deshalb, weil die Normalos im Grunde ja genau so blöd sind, nur halt weniger bekannt. Ich glaube, so langsam möchte ich einfach niemand mehr sehen

STARS AM ENDE

1. Ranzige Rabenkacke!

Noch bevor die unheimliche Mentalmumie Uri Geller auf die erneute Suche eines Nachfolgers für seinen bereits gefundenen Nachfolger für was auch immer eigentlich geht, also gewissermaßen ‚The Over-Next Uri Geller’, gab es noch mal eine Stunde exklusiv mit ihm zuhause im Gruselgewölbe vom ollen Rabenwämser Vincent Raven. Zwei sich unheimlich bedeutsam anschwurbelnde Flachpfeifen aus der Geschlossenen Abteilung der Anderswelt, die uns absolut gar nichts zu sagen haben, was allerdings sehr wichtig ist. Zur Strafe hat der Rabe Uri in den Finger gebissen. Hat aber trotzdem kaum einer gesehen. Und das ist mal wirklich kein Mysterium!

2. Absturz und Neustart

Och Menno, man kann sich auf die doofen Zuschauer echt nicht mehr verlassen. Da startet man endlich die neue Staffel des von niemandem zurück gesehnten Big Brother und gibt sich so viel Mühe, es genau so blöd und langweilig zu machen wie immer – und dann guckt trotzdem kaum einer zu! Deshalb wurde die Notbremse gezogen, das Haus gestrichen und von Tine Wittlers Tante umgebaut, die Bewohner kriegten neue Klamotten und als ersten Neu-Bewohner eine bumsfreudige Porno-Else, um mit ihr die Quoten wieder hochzuvögeln. Nur leider: Doof bleibt doof, da helfen keine Titten!

3. Jetzt geht’s rund

Na endlich – die ARD schaltet den Turbo Booster ein! Nach nur gefühlten hundert Jahren kreativen Stillstands hat Peter Boudgoust, der neue Chef von’s Erste, nun vor, eine Experten-Task Force ins Leben zu rufen! Damit müsste dann nicht für jeden neuen Bürostuhl das Grusel-Gremium der neun Untoten aus den Landesanstalten aufgeweckt und aus der Wachkoma-Station an den Konferenztisch gerollt werden, sondern man könnte schneller reagieren und eilige Entscheidungen wären vielleicht schon nach wenigen Jahren möglich. Machen wir uns gefasst auf die schnellste ARD aller Zeiten!

2017-02-10T01:40:17+00:00

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