360. Brief an die Regierung (TVS 25/08)

Wenn einer anfängt zu betteln, kommt auch der Rest angeschissen. Das merkt derzeit auch unsere Große Koalition der Herzen in Berlin, denn nachdem diese den Fehler machte, den zuerst noch großkotzig abwinkenden Banken ihr kleines Milliarden-Care-Paket aufzudrängen, kam nach und nach ein Kapitalschnorrer nach dem anderen aus den Löchern gekrochen, um bei der Bescherung ja nicht vergessen zu werden. Und als die Banken langsam alle den Geldspeicher wieder gefüllt hatten, stand schon Opel auf der Matte, als erster Martinssänger der Autoindustrie. Aber mit Sicherheit nicht der letzte. Und wenn ich mir so die Finanzlage einiger befreundeter Fernsehsender und deren Familien anschaue, könnte ich mir schon vorstellen, wer Oma als nächstes um eine Tafel Schokolade anbettelt. Damit das Anpumpen schneller geht und nicht so viel Mühe macht in der hektischen Vorweihnachtszeit, hier der Kalk-Universalbrief für die so dringend benötigte Finanzspritze. Verwendbar für das Bankwesen, die Autoindustrie oder TV-Welt, wie auch für den kleinen Privatschuldner von der Strasse, der außer von RTL ja von niemandem mehr wirklich beachtet wird. Einfach die jeweils passende Phrase auswählen, abschreiben, fertig!

Liebe Angie, geschätzte Restregierung! Es ist a) mir peinlich b) allerhöchste Eisenbahn c) mir eigentlich scheißegal d) schön spät und ich bin nicht mehr nüchtern, aber ich und meine Jungs brauchen dringend Geld. Bis vor kurzem ging es uns noch gut, aber plötzlich a) waren die Leute, die wir beschissen haben, alle pleite b) kauften die blöden geizigen Arschlappen keine überteuerten Neuwagen mehr c) fiel unseren Investoren ein, dass sie einfach gern noch viel mehr Geld hätten d) erklärte mir der Bankbeamte den Unterschied zwischen Soll und Haben. Klar, das hätte man schon früher bemerken können, aber a) dann hätten wir uns ja anstrengen müssen b) bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir eine echt coole Zeit und wollten uns den Spaß nicht verderben c) Mathe war schon in der Schule scheiße d) Ihr solltet mal lieber selbst ganz still sein! Bitte schickt umgehend richtig viel Geld in extrem großen Mengen, sonst a) machen wir unsere Kunden so was von fertig, bis sie alle kaputt in der Gosse liegen b) müssen wir leider an Bremsen und anderem Sicherheitsfirlefanz sparen c) machen wir einfach weiter wie bisher d) kacke ich vors Kanzleramt. An dieser Stelle sei noch einmal aus tiefstem Herzen versichert, dass a) wir aus dieser ganzen Geschichte garantiert nichts lernen b) Ihr Euch die Rückzahlung komplett in die Haare schmieren könnt c) wir uns lachend einen runterholen und Euch auf ewig dankbar sind d) ich Euch in Zukunft trotzdem scheiße finde! Vielen Dank im Voraus, ich hoffe, ich kann demnächst a) mich erkenntlich zeigen b) im Puff mal eine ausgeben c) ruhig noch mal um einen Nachschlag bitten d) das Land verlassen. Liebe Grüße, Ihr seid echt dufte! Euer…… (Name und Institution Ihrer Wahl bitte einfügen)

STARS AM ENDE

1. Runter vom Sender!

Langweiligen Gammelpromis, die ihr banales Kackleben selbst für irre spannend halten, bei ihren erbärmlichen Alltagsbewältigungsversuchen zuzuschauen, hat ja bereits eine traurige Tradition im deutschen Privatfernsehen. Die Effenbergs beim sinnleeren Dahinexistieren auf RTL zu begleiten, war aber selbst den stumpfsinnigsten Allesglotzern zuviel der inszenierten Nichtigkeit, weshalb sie gerechterweise vorzeitig abgesetzt wurden. Aber wie viel Sinn macht das Leben im Bedeutungsvakuum, wenn keiner mehr zuguckt?

2. Raus aus Berlin!

Umziehen macht Spaß und ein Tapetenwechsel ist immer gut! Dachte man sich auch bei SAT1 und beschloss kurzerhand den Austausch der Programmverantwortlichen plus Umzug der kompletten Kuschel-Kreativen von Berlin nach München, um von dort aus mit der gebündelten Senderfamilien-Power die nächste Stufe der Entertainment-Weltherrschafts-Rakete zu zünden. Was die zwangsausgelagerten Mitarbeiter allerdings nicht alle ganz so superduper fanden. Aber was zählen schon ein paar Einzelschicksale, wenn es darum geht, dem Vaterland die verdiente Unterhaltung der Extraklasse zu liefern? Wir sind doch schließlich alle Patrioten!

3. Rein in die Klapse!

Welcher Sender macht die dämlichste Sendung? Dieser spaßige Wettbewerb scheint bereits seit einiger Zeit die TV-Stationen untereinander zu beschäftigen, und lange sah es nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus. Aber jetzt hat Pro7 einen fulminanten Sieg für die eigene Doofheit erringen können: Uri Gellers Alien-Show mit Vincent Rabenarsch und seinen Spießgesellen der Blödigkeit! Drei Stunden Live-Labereien über Außerirdische, sinnlos ins All simsen, kollektiv auf Antwort hoffen, mysteriös das passierende Nichts kommentieren und den Schwachsinn als neue Weltreligion feiern. Man kann übrigens auch den Arsch aus dem Fenster hängen und sagen, es sei Vollmond!

2017-02-10T01:40:17+00:00

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