356. Saufen mit Niveau (TVS 21/08)

Na endlich traut sich mal einer zu sagen, was wir alle schon lange denken und hoffen: bedachtes Saufen mit Vernunft und Niveau fördert den Intellekt und lässt den alten Affen Besoffenheit in der verschlossenen Schublade der Unzurechnungsfähigkeit schlummern. Oder auf Bierzelt-Deutsch: Oan Kasten Bier, a Flascherl Korn, die stör’n mi net beim Autofoan!  Zwei Maß Gerstensaft sind für einen echt kernigen Münchner jedenfalls noch lange kein Grund, so ein schwules Taxi zu rufen. Und das sagte nicht irgendwer, sondern ein richtiger Politiker, der Herrscher von Bayern, dem Land der Trinker und Denker, Günther Beckstein himself! Das kann also nur stimmen, die alte Schnapsnase ist schließlich eine Respektsperson und verantwortlich für das Schicksal mehrerer Millionen seiner Bürger, viele davon sogar noch in Lederhosen. Und wenn dieser kluge Mann aus eigener Erfahrung sagt, dass er nach zwei kleinen Litern Starkbier noch einigermaßen gerade nach Hause findet, ohne all zu viele Unschuldige umzufahren, dann wird er schon wissen, was er sagt.

Letztlich ist diese Aussage auch nichts als ein Appell an die Rückkehr zum eigenen Körperempfinden und gesunder Selbsteinschätzung. Ein gestandenes Mannsbild braucht keine künstlich oktruierten Autoritäten, die ihm mit Hilfe einer Apparatur zur Oralexhalation sagen, ob er noch fahrtauglich ist. Wenn man selbst daran glaubt und in der Lage ist, dreimal hintereinander verständlich ‚Ich kann noch fahren!’ zu lallen ohne sich zu übergeben, sollte dies in einer aufgeklärten Gesellschaft ausreichend sein. Wir sind schließlich alle erwachsen! Da würde doch niemand mehr in sein Auto steigen, wenn er nicht mehr im Vollbesitz seiner noch so geringen Kräfte ist, das wäre ja absurd! Ich bin zwar kein Bier-Fan und würde nach zwei Literhumpen lieber meinen Sportwagen in der Spielstrasse stehen lassen, aber nach zwei Flaschen Wein oder Grappa könnte auch ich als Gewohnheitstrinker noch sehr fröhlich einen Schulbus fahren, was ich mir z.B. nüchtern gar nicht zutrauen würde.

Weisheit blüht meist an den verborgensten Orten, wo wir sie nie vermutet hätten, sogar in der CSU.  Der Philosoph Beckstein hat erkannt, was uns alle bewegt: dieses Leben ist nüchtern kaum mehr zu ertragen. Ein gewisser angenehm-schummeriger Dämmerzustand erleichtert die Existenz. Alkohol ist das Schmieröl der modernen Gesellschaft. Er macht fröhlicher als Rauchen, außerdem ist die Leber tapfer und robust und nicht so ein Mädchen wie die Lunge. Alk ist der Reality-Upgrade des kleinen Mannes, der nicht in der Politik, Werbung oder den Medien arbeitet und sich keine teuren Designer-Drogen leisten kann. Und wer sich noch nicht strulledick vom eigenen Chauffeur oder im Privatjet nach Hause shutteln lassen kann, der sollte wenigstens selber besoffen heimfahren dürfen, das ist ja auch fast wie fliegen. Die Amerikaner haben das Recht auf Waffen und großzügig ausgelegte Selbstverteidigung, wir sollten wenigstens das Recht aufs Saufen ohne Konsequenzen haben! Besoffen würd’ ich auch CSU wählen! Prost.

STARS AM ENDE

1. Zuviel des Alten

Kaum da und schon wieder weg: der Geissen und die Sonja mit dem Dirk. Also die, die sowieso schon gefühlte 700 Shows die Woche bei RTL haben. Und die hatten jeweils noch irgendwie eine oder zwei neue dazu bekommen, was aber kaum einer merkte, weil man dachte das wären noch die alten. Ist auch egal, alles eh schon wieder abgesetzt. Die eine nach der ersten, die andere nach der zweiten Folge, das war für RLT schon fast ne ganze Staffel. Ja, Mensch, schade eigentlich, aber ehrlich gesagt auch nicht. Interessiert ohnehin keine Sau. Ging noch nicht mal lange genug, um es sich zu merken, damit es vergessen kann.

2. Zuviel des Neuen

Und kaum hat RTL die flotte einjährige Pilotierungsphase mit dem frisch gekrönten Dschungelkönig Ross Anthony beendet, ist man auch schon bereit, das Publikum auf einen Schlag so mit dem dauerfröhlichen Happy-Grinser vollzustopfen, dass er einem aus den Ohren quellen möge. Darum demnächst gleich die samstagabendliche Mega-Rosskur als Männer-Klischee-Tester und Büro-Jodel-Animateur im Doppelpack.  Ist ja auch cooler, wenn man nach einer Woche gleich zwei Sendungen absetzen und den Moderator komplett verabschieden kann. Oder das Publikum schon nach einem Samstag von einem Moderator die Schnauze voll hat. Clever.

3.  Zuviel des Schlechten

Machen wir den RTL-Hattrick ins eigene Tor komplett: Wenn man schon altes Gammelfleisch wie die 100.000 Mark Show aus der Gruft zurückholt und künstlich wiederbelebt, den Gewinn zu Euro macht und damit verdoppelt, sollte man den Inhalt besser nicht auf ein Zehntel runter fahren. Heraus kam ein liebloser, unspektakulärer, humorloser und stinklangweiliger Murksmistsalat in bunt und laut, der sinnlos Lebenszeit vernichtet. Aber vielleicht steht man bei RTL ja neuerdings auf Flops und peilt als Endziel das Ein-Folgen-Serienformat an. So könnte es klappen!

2017-02-10T01:40:18+00:00

Über den Autor:

Hier schreibt der Chef.

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