506. Erinnerungen an den Sommer (TVS 16/14)

Während sich das launische Wetter gerade mal wieder nicht recht entscheiden kann, welche Jahreszeit es mir eigentlich vorgaukeln möchte, denke ich in nostalgischer Ermattung verklärt daran zurück, wie schön es früher einmal war. Damals in den späten 70ern und frühen 80ern, als ich mich noch ungelogen ‚Teenager’ nennen durfte und der Sommer voller Sonne und dem Duft frisch gemähter Gräser war – aber trotzdem so langweilig dass man dafür nicht extra vor die Tür gehen musste.
Wenn die Eltern ausritten um Wild zu jagen und die Felder zu bestellen, blieb man als Jugendlicher lieber allein daheim und genoss das ZDF-Ferienprogramm. Ja, das muss man sich mal vorstellen: das ZDF machte damals noch Programm für junge Menschen unter 70 –sogar vor Mitternacht! Während der Ferien gab es jeden Tag zwei Stunden Aufmunterung für die Alleingelassenen mit Anke (Engelke!) und Benny (ohne Nachnamen!), Bobtail Wuschel (Hund!) und dem lustigen ZD-Äffchen (nicht zu verwechseln mit dem RT-Elch, SAT-Einhorn oder AR-Dämon), aufgepeppt durch spannende ‚Tipps für den Drahtesel’ (Pimp my Bike!), Veranstaltungshinweise (für viel zu weit entfernte Orte) und nervenaufreibende Origami-Bastelanleitungen (Spaß ohne Klebstoff!). Hauptsächlich wartete man allerdings auf ein Wiedersehen mit alten Serien-Klassiker wie FLIPPER, DAKTARI oder CAPTAIN FUTURE, denn schon damals war man davon überzeugt, dass früher alles besser gewesen sei. Die Sommerwochen waren somit quasi die jährlichen Mediatheken-Monate, denn in Ermangelung eines Internets oder käuflicher DVD-Boxen gab es kaum eine andere Möglichkeit, versäumte televisionäre Kultur-Highlights zeitversetzt zu genießen. Viele Jahre lang ließ das verrückte ZDF sogar in einer Anwandlung übertriebenen Demokratie-Wahns seine Zuschauer ihren samstagabendlichen ‚Wunschfilm der Woche’ selber wählen – erst durch Postkarte, später mit Hilfe modernster Technik via Telefon (und notariell beglaubigt).
Im heutigen Fernsehen ist gewissermaßen das ganze Jahr über Sommer. Wiederholt wird alles und rund um die Uhr, je schlechter und billiger desto öfter. Programmlich betrachtet befinden sich die Verantwortlichen geistig gesehen eh im 12-monatigen Dauerurlaub am Strand der Idiotenküste, barfuß mit den Mauken im Sand, der aus den eigenen Köpfen rieselt. Nur Sendungen für Jugendliche gibt es nicht mehr, da die eh kein Fernsehen mehr gucken und als Zielgruppe nicht genug Geld ausgeben (außer für Alkohol und Kippen, für die man im TV nicht werben darf). Wir lernen: selbst der heißeste Sommer kann ein Herz aus Eis nicht schmelzen lassen!

STARS AM ENDE

Auslaufmodell

Das größte Problem für die meisten Frauen dieser Welt ist ihr unprofessioneller Gang. Viele gehen einfach nur so herum oder stur geradeaus und strahlen dabei derart wenig Erotik aus, dass kaum jemand ihre Klamotten kaufen oder gern ein Foto von ihnen machen möchte. Daher versuchte der philantropische Model-Vorzappler Chorche Gonzales in seiner hoch dramatischen Doku-Soap CHICAS WALK ACADEMY, den krumm latschenden Hühnern aus dem emotionalen Leerlauf zu helfen und ihnen den aufrechten Gang Richtung Selbstbewusstsein und Lebensfreude beizubringen. Quotentechnisch lief das Experiment allerdings gegen die Wand und knickte auf dem Absatz ein in Richtung Kriechspur, weshalb VOX kaltherzig den Stecker zog. Jetzt muss die überdrehte Stöckelschuh-Dachlatte lernen: einfach laufen lassen!

Prinzenrolle

Für alle noch mal zur Erinnerung: KAY ONE nannte sich der kleine mopsige Stammelrapper, der früher immer debil grinsend hinter Bushido her schlich und über ihre Gangbang-mäßige Buddy-Coolness faselte. Dann zerstritten sich die zwei Sympathen und Kai Eins nannte sich PRINCE KAY ONE, warum auch immer. Klüger machte es ihn nicht. Aber seit er bei DSDS in der Jury sitzen durfte und von Mutti Bohlen neue Klamotten bekam, schwärmen ganz viele Backfisch-Girlies für ihn, die Dummheit mit Coolness verwechseln. An diesem zweifelhaften Erfolg will RTL2, der kleine doofe Bruder von RTL, nun gerne teilhaben und produziert mit Prinz Pupsi die Vollpfosten-Variante vom Bachelor: KAY ONE – PRINZESSIN GESUCHT. Ja, mir wird auch schon schlecht… ich würde zu Kotztüten statt Rosen raten! Weissichmein?

Höllenfeuer

Pro7 widmet sich endlich den existenziellen Fragen des Lebens und konfrontiert uns mit HIMMEL UND HÖLLE – Kandidaten kriegen zehn Fragen im Himmel und müssen zu Mutproben in die Hölle falls sie diese nicht beantworten können. Klingt nach hämisch-verkrampftem Konfetti-Entertainment mit Klumpfuß, Satans-Sender P-Seven verspricht allerdings eine ‚Quizshow mit einer fetten Prise Wahnsinn für beste Samstagabendunterhaltung’! Huiuiui – hab ich gerade vor Lachen gepupst oder riecht es hier nach Schwefel?

2017-02-10T01:40:04+00:00

About the Author:

Hier schreibt der Chef.