465. Nur nicht aufgeben! (TVS 01/13)

Zum anstehenden Jahreswechsel ließen die Presse-Abteilungen der meisten deutschen TV-Stationen überraschenderweise vermelden dass man trotz aller Widrigkeiten auch 2013 weiter auf Sendung bleiben wolle. Selbst wenn man eigentlich keine große Lust mehr darauf hätte. Die Beschäftigten des Großteils aller Funkhäuser litten vor allem unter dem immer geringer werdenden Ansehen ihrer Arbeit. Lag die kulturelle Bedeutung des Fernsehens vor einigen Jahren immerhin noch im Bereich Kaspertleheater bis Straßenstrich, so rangiert sie heute im unteren Drittel des Spektrums zwischen Höhlenmalerei und ‚den eigenen Pimmel mit Fingerfarben anmalen’.

Auch wenn sich die Zuschauer mehr und mehr enttäuscht vom ehemaligen Medium Nummer 1 abwenden, werde man dennoch nicht sofort aufgeben. RTL stellte fest, dass bei ihnen ohnehin kaum noch jemand wirklich arbeitet, da man seit vielen Jahren das exakt gleiche Programm in Endlosschleife sendet und dies noch jahrelang fortsetzen könne, bis einer den Stecker zieht. SAT 1 gab zu, dass der Sender von Ärzten und Publikum bereits im letzten Jahr als klinisch tot eingestuft wurde, man dies aber ignorieren wolle, bis die Nachbarn sich wegen des süßlichen Geruchs beschweren. Außerdem sind Zombies gerade international sehr erfolgreich und mit diagnostiziertem Hirntod hat man weniger Kopfschmerzen. Pro7 und RTL2 bestätigten, die inhaltliche Insolvenz längst abgewickelt zu haben, aber die ‚Kacke noch am Dampfen’ zu halten bis das Geld und die Drogen alle sind. VOX und KABEL EINS waren für keine Stellungnahme zu erreichen, da sie sich noch bis Ende Februar in der Sommerpause befinden. Die ARD-Anstalten wiesen darauf hin, dass sie im Grunde bereits Ende der Achtziger ‚mit der ganzen Scheiße abgeschlossen’ hätten, es aber ‚saudämlich’ wäre auf all die schöne GEZ-Kohle zu verzichten, vor allem da sich die Summe durch die Neuregelung deutlich erhöhen würde. Das ZDF zeigte sich als einziger Sender euphorisch. Umfragen deuten an dass die geplante Verjüngung des Programms funktioniert und man das Durchschnittsalter des Publikums bei konsequenter Arbeit in drei bis vier Generationen um bis zu 1,2 Jahre senken könne. Für alle Sender gelte 2013 daher die Devise: Arschbacken zusammen kneifen, Augen zu und durch! Guckt ja bald eh keiner mehr zu.

STARS AM ENDE

1. Schuss ins Leere

Und wieder ein gezielter SAT1-Fangschuss in den eigenen Hintern, dabei klang es so plausibel: MILLION DOLLAR SHOOTINGSTAR! Noch eine so überflüssige wie langweilige Laufsteg-Show mit irgendeinem Superdupermega-Model, deren komischen Namen (Bar Ratatouille) kaum einer kennt, obwohl sie mal mit einem Hollywoodstar geknattert hat. Dazu ein paar Magermädels, eine uninteressante Schlaumeier-Jury mit Klum-Restware und ganz viel von dem was man schon ganz oft anderswo gesehen hat und bisher überall zu Recht gefloppt ist. Allerdings so teuer, dass man es sich leicht mit zu viel Champagner aus der Portokasse schön saufen kann. Prost und fröhlichen Kater!

2. Schwachmaten im Schnee

Eine der dümmsten und trotzdem nur wenig erfolgreichen Sommersendungen von ProSieben war fraglos WE LOVE LLORET: acht naturdoofe End-Teenager, unter Druckbetankung eingesperrt in eine kopulationsfreundliche Fickel-Finca mit Vollzeit-Kamera-Überwachung. Eigentlich wollte schon damals kaum einer die Komasauf-und-Kotz-Abenteuer der bumsbereiten Blödmannsgehilfen sehen, aber P7 setzt noch einen drauf und schickt die riemige Karusselbremser-Gang jetzt aus Trotz in den Winterurlaub! Staffel 2: WE LOVE BAD LAUTERBERG oder so ähnlich. Freuen wir uns auf Besoffen-in-den-Schnee-pinkeln, Strulle-in-den-Schnee-göbeln und Breit-im-Schnee-über-theoretische-Sauereien-lallen. Kopf aus, Gläser hoch!

Schnarchen im Schlafkanal

Wir haben es schon immer geahnt: ARTE ist ein Sender, den in der Theorie jeder sieht, um in Gesprächen intellektuell zu erscheinen, sich aber in der Praxis keine Sau anschaut. Nicht mal die eigenen Mitarbeiter. Die gingen nämlich letztens vor lauter Gähnen einschließlich der Kollegen vom Sendezentrum lieber ins Kino anstatt sich das langweilige Kunstgefussel anzutun – wodurch blöderweise Sendungen abbrachen, sich wiederholten und jede Menge fetter Fehler on Air gingen, ohne dass irgendwer im Haus das mitbekam. Laut Erklärung wäre allerdings bloß ein Stromausfall daran schuld und niemand im Kino gewesen, dazu hätten alle viel zu fest geschlafen. Na dann gute Nacht!

2017-02-10T01:40:07+00:00

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