432. Mafiöser deutscher Rundfunk (TVS 20/11)

Und wieder ist ein Stückchen Heile Medienwelt zerbrochen: der von uns allen geliebte und stets so unschuldig erscheinende Innovationssender mdr (Mittelmäßig Durchschnittlicher Rumpelfunk) soll in Wirklichkeit all die Jahre eine Brutstätte von Schieberei, Betrug und Korruption gewesen sein. Jedem anderen der arroganten ARD-Angebersender hätten wir das zugetraut, sogar dem lotterhaften Sündenpfuhl ZDF, aber doch nicht dem tapsig-unbeholfenen Knuddelkanal aus dem Osten!

Das putzige Überbleibsel einer vergangenen Epoche, in der bekanntermaßen nicht alles schlecht war, der letzte Sender, der sich nicht schämte, die Uhren vor dreißig Jahren angehalten und seitdem konstant zurückgedreht zu haben. Eine Art Serengeti für vergessene Restpromis, die zu hässlich fürs Dschungelcamp waren, der Gnadenhof des deutschen Fernsehens, das Häkeldeckchen auf der Eiche-Rustikal furnierten Kreativtruhe der Öffentlich-Rechtlichkeit. Aber genau dort, in dieser vermeintlich harmlosen Welt des schunkeligen Biedermeier-Frohsinns, wurde hinter den Kulissen die Laienversion von Der Pate 1-3 nachgespielt.

Vor ein paar Monaten dachte man noch, es ginge nur um den vom mdr betreuten Kinderkanal KiKa, bei dem über acht Millionen Euro an Gebührengeldern aus der Portokasse verschwanden, aber jetzt geriet der sympathisch muffige Muttersender selbst ins Kreuzfeuer.

Erschreckend ist die Tatsache, dass der langjährige Unterhaltungschef Udo Voht inzwischen fristlos entlassen wurde. Als gewöhnlicher Arbeitnehmer kann man sich allerdings gar nicht vorstellen, welcher Vergehen man im öffentlich-rechtlosen Beamtenapparat überhaupt überführt sein muss, um auch nur eine Abmahnung oder keine Weihnachtskarte zu bekommen! Das wahre Ausmaß der Schulden und Schandtaten muss also gigantisch sein, irgendwo zwischen Griechenland und Fantomas. Beeindruckend ist vor allem die von Voht real versandte, sehr menschliche sms an einen seiner Berliner Gläubiger, dass er die 10.000 Euro geliehene Schmiermittel gern schon längst persönlich beglichen hätte, aber leider in Leipzig mit Darminfektion auf der Toilette säße. ‚Kann nicht zahlen, muss noch kacken!‘ – das hat wieder Stil und passt zum mdr. Mal sehen wie lange der lässig alle Schuld von sich weisende Intendant Reiter noch an seinem Sitz klebt. Denn egal ob Politik, Wirtschaft oder Fernsehen, es gilt immer noch die Regel: je höher die Position, desto schwerer lassen sich die Verantwortlichen vom Scheißhausdeckel kratzen!

STARS AM ENDE

1. Alles gelogen

Eigentlich ist RTL EXPLOSIV ja für seriösen Journalismus und sachliche Berichterstattungen auf höchstem Niveau bekannt, aber bei der Reportage über die Spielemesse GamesCon muss man das wohl vergessen haben. Denn dort präsentierte man die drolligen Besucher einfach mal abfällig grinsend als debile ungewaschene Freak-Gemeinde mit fehlendem Glamour-Faktor und lud zum gemeinsamen Belächeln ein. Leider fanden die crazy Computer-Hobbits das nur so mittel lustig, beschwerten sich bei der Landesmedienanstalt und hackten mal kurz die RTL-Homepage. Wo man sich dann prompt zumindest ein klein wenig entschuldigte. Na also, es geht doch!

2. Alles nachgemacht

Die Medienwelt ist sich einig: es gibt viel zu wenig Top-Models auf der Welt! Immer mehr Mädchen entscheiden sich für feste Nahrung, flache Schuhe oder eine abgeschlossene Schulbildung, das darf nicht so bleiben. Deshalb wird sich nach Pro7 nun auch VOX der Suche nach hübschen Dachlatten in High Heels annehmen. Die brandneue Casting-Show Das perfekte Modell soll im Frühjahr starten, zeitgleich zur P7-Klum-Tussen-Suche. Jetzt braucht man nur noch eine doofe Jury und irgendeine olle Beauty-Schrapnelle als einpeitschende Maso-Mutti. Hoffentlich nehmen sich die anderen Sender ein Beispiel daran und starten bald ähnliche Formate, zwei sind definitiv nicht genug!

3. Alles wiederholt

Das Geheimnis um die ewig gleichen Nominierungen und Gewinner beim DEUSCHEN COMEDYPREIS ist gelüftet: in Wirklichkeit wird die Show nur alle fünf Jahre einmal produziert und dazwischen jeden Herbst neu geschnitten. Dann werden einige Stellen nachsynchronisiert und ein paar Kategorien umbenannt, fertig ist die Laube. Nach fünf Versionen der ersten Show mit Atze Schröder ist dieses Jahr die Viertverwertung mit Dieter Nuhr dran. Wenn nötig soll 2013 wieder produziert und auf neue Kandidaten eingegangen werden. Bis dahin erst mal viel Spaß mit den Wiederholungen von 2008!

2017-02-10T01:40:10+00:00

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