413. Geheimakte Deutschland (TVS 01/11)

Die spektakulären wikileaks-Veröffentlichungen brachten es an den Tag: all die händeschüttelnden Politiker und Diplomaten mit debilem Dauergrinsen sind gar keine seelenlos fehlprogrammierten Labermaschinen und Phrasenroboter, wie wir immer dachten, sondern in Wirklichkeit echte bekloppte Menschen, die hinter dem Rücken der Anderen genauso kichern und lästern wie die durchschnittliche Topmodel-Kandidatin.
Doof nur, wenn man all diese kleinen Tratschereien aufschreibt und ordentlich in nicht ganz so geheimen Geheimakten abheftet, irgendwann geht so was immer in die Hose. Aber sehen wir es positiv: Selbst wenn die internationale Diplomatie diesmal so richtig eins in die Eier gekriegt hat und jetzt keiner mehr dem anderen vom Stuhl bis zum Tisch traut, so sorgte der ganze Skandal doch für eine gewisse Volksnähe. Denn kaum wird geklatscht, gezickt und diffarmiert, findet selbst ein so sperriges Thema wie Politik plötzlich den Einzug ins SAT1-Frühstücksfernsehen bis hin zu RTL exclusiv – und somit in die Herzen der Bevölkerung.
So erfuhren wir nun, dass die Amerikaner Kanzler Merkel für eine Frau halten, im Bereich Mode und Frisur ‚beharrlich aber selten kreativ’, dazu unten rum ‚aus Teflon’, was so viel heißt wie ‚sie lässt nichts anbrennen, ist enorm heiß und auf ihrem Hintern kann man Spiegeleier braten’. Nicht so gut weg kommt Vizekanzlerin Westerwelle: ‚he’s no Genscher’, schon rein optisch, heißt es da, und das geht natürlich unter die Gürtellinie. Kein Genscher zu sein muss sich wirklich niemand sagen lassen, auf Schulhöfen in sozialen Brennpunkten war ein Satz wie ‚Ey, Du bist kein Genscher, du Opfer!’ nicht selten der Auslöser für Bandenkriege und Amokläufe. Für CSU-Chef Seehofer fand sich das Zitat ‚mit begrenztem Horizont und außenpolitisch weitgehend ahnungslos*’ – wobei es sich allerdings um die Selbstbeschreibung aus seinem privaten Facebook-Account handelte (mit dem Zusatz *‚auch innenpolitisch! LOL’). Positiv und ‚als enger Freund’ bewertet wird KT zu Guttenberg wegen seiner ‚Ähnlichkeit zu Harry Potter’ und seiner Gattin (‚scharfes Gerät’, aber besser ‚nicht mit RTL2-Team ins Haus/an Computer lassen!’). Staatsoberhäupter anderer Länder wurden meist mit Comic-Figuren verglichen: Putin & Medwedew seien ‚Batman & Robin’, Sarkozy so zwischen ‚Rumpelstilzchen und Neurosen-Schlumpf’ und Berlusconi wie ‚Karl der Coyote, nur nicht so erfolgreich’. Lob erhielt lediglich Kim Yong Il (‚he’s no Westerwelle’). So funktioniert Politik.

STARS AM ENDE

1. Sand im Tor

Da jubeln die Fans: die Fußball-WM 2022 findet im arabischen Emirat Katar am Persischen Golf statt, juhu! Eine der größten und traditionellsten Fußballnationen der Welt, da wollten wir immer schon mal hin. Und so ein sandiger Wüsten-Kick macht bei angenehm-schwülen 45 Grad und lockerer Luftfeuchtigkeit von 85% ja auch erst richtig Spaß. Stadien und vernünftige Infrastruktur gibt es zwar momentan noch keine, dafür aber offensichtlich genug Kohle für die fröhlichen FIFA-Bosse, um sich den subtropischen Irrsinn schon heute schön saufen zu können. Na dann Prost!

2. Doofe im Dschungel

Achtung, Ihr australischen Kakerlaken, Würmer und sonstiges kriechendes Geschleim, die peinlichen Promi-Pestbeulen kommen wieder, um sich in Euch und Euren Exkrementen zu suhlen! Also wer nicht zwischen den aufgeblasenen Silikonhupen der Gruselpuffmutter Tatjana Gsell, den Botoxbacken von Hibbeltranse Florian Stöhr oder in der Arschritze von Rainer Langhans sein kurzes Insektenleben aushauchen will, sollte schnellstens aus dem Dschungelcamp verschwinden bevor RTL anrauscht! Ich persönlich freue mich allerdings schon tierisch auf die verdiente Knalltüten-Folter – endlich wieder Gerechtigkeit im Fernsehen!

3. Langeweile auf der Couch

Da strukturiert man bei SAT1 extra die bislang recht erfolgreichen HIT-GIGANTEN um und tauscht das lässige Urviech Hugo Egon Balder gegen das dynamisch gedachte Duo Weichselbraun & Cicero, damit die Show jünger und moderner wirkt, aber das Ergebnis ist bloß dröge Langeweile und floppt gemütlich vor sich hin. Denn wo zuvor zumindest eine amüsant-entspannte Scheißegalstimmung das Sofa regierte, lässt die verkrampft gepresste Fröhlichkeit rund um die labernden Schnarch-Gäste und relevanzfreien Promifressen-Bluescreen-Aufsager jetzt erst recht die Popeligkeit des Ganzen erkennen. Da wird wohl keiner Zugabe fordern.

2017-02-10T01:40:12+00:00

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