374. Letzte Rettung (TVS 13/09)

Momentan will wirklich jeder von irgendwem gerettet werden. Keiner kriegt mehr selber was auf die Reihe, egal wie großkotzig er vorher aufgetreten ist. Die Banken beispielsweise, deren Vertreter jahrelang mit schmierlappiger Selbstgefälligkeit all die verzweifelten Kleinkreditnehmer wegen mangelnder Sicherheiten abblitzen ließen, während sie mit imaginären Fantastillionen jonglierten wie Dagobert Duck auf Ecstasy. Doch kaum zeigen sich die ersten Rechenfehler plus die Erkenntnis, dass das amerikanische Modell des mutwilligen Kundenbetrugs mit Schmackes in die Hose gegangen ist, kommen sie von allen Seiten wurmgleich angekrochen und betteln ohne ein Wort der Entschuldigung um staatliche Milliardenhilfen – natürlich ganz uneigennützig, weil ja sonst die ganze Wirtschaft darunter leiden würde! Man könnte kotzen, wenn man sich nicht so ärgern würde. Oder Porsche, die Lümmelverlängerung Nummer Eins seit Generationen, die dickste Hose mit der größten Fresse, die Arroganz auf Rädern – plötzlich findet man dort von einem Tag auf den anderen 12,5 Milliarden Schulden in der Portokasse und fängt an zu flennen wie ein kleines Mädchen, das sich in die Hosen gestrullt hat. Erbärmlich! Nicht zu vergessen Karstadt und Konsorten, die seit Jahren kontinuierlich das ganze Unternehmen mit offenen Augen in die Insolvenz brettern lassen. Aber da ja der Staat gerade so großzügig jedem Großverbocker die Milliarden-Kredite hinterher wirft, lassen sie jetzt auch ihre Angestellten um gnädige Hilfe für ihre Unfähigkeit betteln und schämen sich nicht mal dabei. Mehr als peinlich.

Auch die ARD braucht dringend Hilfe, vor allem beim Grand Prix. Wenn der Staat hier nicht schnell eingreift, ist Deutschland im internationalen Songvergleich rettungslos verloren. Seit Jahren wird vom NDR wirklich alles versucht, endlich wieder die Pole-Position im musikalischen Europa zu erlangen, aber gereicht hat es bisher nur zum Arsch der Liste. Dabei sah beim letzten Mal alles so viel versprechend aus: Song-Auswahl von ausgewählten Fachleuten ohne Beteiligung des doofen Publikums, Ausbremsung der fiesen und sich immer nur gegenseitig die Punkte zuschiebenden Ost-Europäer, eine cool gemeinte Pop-Swing-Nummer mit den zusammengeklauten Hooklines wirklich aller bekannten Welthits aus diesem Genre, ein schleimiger Sänger, der sich ungefragt das Hemd vom gestählten Körper reißt, plus das erfolgreichste Strip-Luder der Welt beim Sexy-Background-Herumräkeling – was konnte da schief gehen? Scheinbar alles. Offensichtliche Anbiederei wird halt doch schneller entlarvt als man denkt. Und nun bittet man auf den Knien um Hilfe. Z.B. Stefan Raab, der allerdings bereits nach nur drei Tagen merkte, dass der ARD ohnehin nicht zu helfen ist, höchstens mit einem Bolzenschussgerät. Oder jetzt von Dieter Bohlen, der sofort bereit wäre, wenn der Staat ein paar Millionen dazu schießt. Ralph Siegel bietet der ARD übrigens seit Jahren täglich seine Hilfe an, wurde von dort aber mit Dank an Opel und Karstadt verwiesen.

STARS AM ENDE

1. Pflaumenwanderung

Das große Exklusiv-Promi-Sender-Hackfressen-Crossover-Wandering geht weiter! Nachdem es durch Pocher und Kerner so langsam voll wird in der wackeligen SAT 1-Hütte, verhandelt nun anscheinend der smarte Pflaumen-Kai über seine Abwanderung zur ARD, wo ja gerade dringend nach neuen Spaßverstehern und Pilawa-Placebos gesucht wird, der ja wiederum mit dem ZDF turtelt. Allerdings weiß man auch, dass Verhandlungen mit dem öffentlich-gebrechlichen Bürokratenstadl meist mit stolz aufgeblähten Ankündigungen beginnen und mit erschöpften Absagen des Künstlers kurz vor dem Nervenzusammenbruch enden. Da hilft nur noch Pflaumen drücken!

2. Gräfinnensuche

Alleinstehende Grafen (Restware) suchen nach sexueller Dürreperiode was Hübsches zum Poppen mit Option auf eine längerfristige Beziehung, falls das willige Weibsvolk den öffentlichen Adel-Kompatibilitätstest mit TV-Begleitung bestehen sollte. Peinlich-doofes Couple-Casting für ganz Verzweifelte – und weil das schon beim ersten Mal so unerfreulich und gerade mal höchstens mittelmäßig erfolgreich war, setzt SAT1 jetzt logischerweise noch ein ranziges Sahnehäubchen auf den alten Kothaufen! Gräfin gesucht – die zweite Staffel, denn nur weil etwas richtig schlecht war, muss man ja noch lange nicht damit aufhören, oder?

3. Publikumsabschreckung

Ganz ehrlich, ich möchte nicht die ARD sein, die kriegt ja momentan wirklich gar nichts mehr auf die Reihe! Dabei gibt sie sich so eine Mühe, nach dem Handbuch des kalkulierten Erfolgs alles richtig zu machen und ja nichts wirklich Neues oder Innovatives zu wagen. Trotzdem geht alles in die Grütze, so wie auch Daily Soap Nr. 7243, Eine für alle, über die pfiffig emanzipierte Schweißerin Lilli, die den harten Klischee-Männern mal zeigen soll, wo der Hammer hängt! Wollen nur leider noch wesentlich weniger Menschen sehen als damals den teuren Flop-Import Bruce, und das will schon was heißen! Vielleicht wären neue Ideen ja doch nicht das Schlechteste… aber man möchte ja nicht beim Schlafen stören!

2017-02-10T01:40:16+00:00

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