365. Dauernervhinweise (TVS 04/09)

Jetzt ist es amtlich (jedenfalls vorläufig): Stefan Raabs Wok WM auf Pro7 muss mit der durchgehenden Einblendung Dauerwerbesendungversehen werden. Zum Schutz für die Zuschauer, damit die verstehen, dass die ganze Werbung darin als Werbung zu verstehen ist. Sehr gut. Es gibt ja auch noch nicht genug unnützes Gekrickel im Bild. Und da wir inzwischen ja alle wissen, dass das Publikum ohnehin größtenteils aus einem unreflektierten Haufen debil vor sich hin sabbernder Allesglotzer besteht, die gar nicht mitbekommen, was da eigentlich vor ihren Augen flackert, ist dies auch äußerst hilfreich. Obwohl ein solcher Warnhinweis dann eigentlich auch bei Wetten dass, Fußball, Formel Eins und allen anderen durch Werbebanner verzierten Sportevents Pflicht sein müsste, in denen die Protagonisten bis auf den Pimmel mit Sponsoren-Hinweisen zugekleistert sind.
Auch wären ähnliche Einblendungen in anderen Genres ebenfalls ratsam. Bei der unwürdigen Affen-in-Anziehsachen-Serie unser Charlyim ZDF könnte beispielsweise die Markierung Dauertierquälsendung nicht schaden. Jedenfalls wenn einem gequirlte Schimpansenscheisse zu radikal klänge. In den ganzen Quiz-Night-Flipchart-9live-Call-In-Shows ohne Namen oder Inhalt müsste rein rechtlich gesehen so etwas wie Dauerverarschung oder Betrug-a-go-go stehen, möglichst in rosa blinkenden Grossbuchstaben mit einer Sirene daneben. Unten in der Ecke von Kerner, Beckmann oder Anne Will würde der Zusatz Dauergeschwafel sicherlich Sinn machen, oder einfach Bla, Bla, Bla!, gegebenenfalls auch ruhig mal einfach Fresse! Bei den Tagesthemen könnte ich mir höchstens ein Bitte nicht füttern vorstellen.

Um es einfacher zu machen, sollte man unter das gesamte dahingerotzte Doku-Reality-Laienschauspieler-Richter-Beratungs-Soap-Sonstwas-Mumpitz-Nachmittags-und-Vorabendprogramm der Privatsender den Universal-Hinweis Endlosgenerve oder Dauerdoofsendung kleistern, das passt immer. Bei ARD und ZDF würde für fast den kompletten Tag als einzige Einblendung Bitte leise! Nicht wecken! reichen. Überhaupt wären permanente Warnhinweise für das Publikum eine gute Idee, bei Zigaretten hat man sich dazu ja inzwischen auch durchgerungen. Schön wären Sätze wie Fernsehen kann Ihren Verstand beschädigen, vielleicht auch Diese Sendung ist für Zuschauer nicht geeignet oder Programme wie dieses schaden Ihnen und Ihrer Umgebung. Direkt auf das Fernsehgerät sollte Während der Programmauswahl bitte Gehirn einschalten gedruckt werden. Und universell passend für quasi sämtliche Formate ist immer noch Das macht doch alles keinen Sinn!, Oh mein Gott! oder Übrigens: draussen läuft gerade das Leben! Könnte helfen, oder?

STARS AM ENDE

1. Streik der Bälle

Das gab’s auch noch nicht so oft, dass ein ganzer Sender streikt! So geschehen bei der Belegschaft des vormaligen Kuschelkanals SAT1, die erneut gegen die kollektive Umsiedelung nach München protestierte. Traurig nur, wenn man das als Zuschauer eigentlich gar nicht merkt. Liefen sowieso nur blöde Richter-Shows, Gammelkonserven aus der Laienschauspielgruppe, Wiederholungs-Wiederholungen und sonstige austauschbare Fließbandlulle. Und in den Live-Sendungen wurden auch einfach irgendwelche eingemachten Restbeiträge zusammengeklöppelt, ohne dass es groß auffiel. Kann man den Schuppen eigentlich auch gleich ganz dichtmachen, oder?

2. Versagen der Raben

Da bleibt doch glatt der Löffel gerade! Scheinbar will keiner mehr den ausgemergelten Mentalistenvater Uri Geller mit seiner Horde chargierender Jahrmarktsbuden-Zauberer beim Hokus Pokus – Wettstreit sehen. Denn trotz neuer lila Jacke für die Rabennase mit der Wischmopwelle und fast ertrunkener Magie-Vergeigerin lösen sich die Quoten fast wie von selber auf. Regelrecht unheimlich! Vielleicht war es doch einfach ein bisschen zuviel der doofdreisten Mystery-Verarsche, oder? Ich warte zum Beispiel noch heute auf Antwort von den Außerirdischen!

3. Selbstzerstörung der Siegel

Das Dschungelcamp ist und bleibt immer noch der sicherste Ort, um sich in der Öffentlichkeit selbst zu vernichten, bzw. von RTL zu lassen. So wie Peter Bond oder allen voran Giulia Siegel, die sich am australischen Buschfeuer in nur zwei Wochen mit eigener Kraft durch pure Existenz von irgendeiner zum Glück kaum bekannten Schicki-Micki-DJ-reiche-Promi-Tochter ohne kulturelle Bedeutung zur egozentrisch-unsympathischen Kotz-Bitch Numero Uno des Landes hochgedschungelt hat. Das muss man erst mal schaffen – erst kennt einen keiner, dann hassen einen alle. Respekt!

2017-02-10T01:40:17+00:00

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