Radio: 1990-1998
Fernsehen: 1994-…?
Autor, Sprecher und Darsteller: Oliver Kalkofe
Seit 15 Jahren rechnet Medienterminator Oliver Kalkofe mit der deutschen Fernsehlandschaft ab. Wer's verpasst hat oder nochmal sehen möchte - alle Mattscheiben seit den Anfängen bei Premiere (heute SKY) gibt es auf DVD.
Oliver Kalkofe, dem Mann mit der Mattscheibe, gelingt es – ob im Radio, im Fernsehen oder in Büchern und Zeitschriften – immer wieder aufs Neue in die dunkelsten Abgründe deutscher TV-Unterhaltung vorzudringen, die televisinären Peinlichkeiten vermeintlicher Show-Größen einzukreisen und sie gnadenlos zu demontieren.
Das von Kalkofe entwickelte Mediensatire-Format Kalkofes Mattscheibe entwickelte und startete Oliver Kalkofe 1990 bei radio ffn. 1994-1999 errang die TV-Version von Kalkofes Mattscheibe beim PayTV-Sender Premiere Kultstatus.
Im Fernsehen hat Oliver Kalkofe seine eigene Methode entwickelt, eben dieses Medium zu kritisieren. Per Bluescreen-Verfahren projiziert er sich direkt in die Szenen der einschlägigen Sendungen:
„Der Trailer zur Sendung“, so schreibt Marc Bielefeld 1998 in der Berliner taz, „bringt die Mission auf den Punkt: Da schlitzt Kalkofe Bilder auf, drischt mit dem Vorschlaghammer auf die Kiste ein und ballert mit der Pumpgun ins Mediengeschehen. Devise: Zerstörung gegen die Volksverdummung.“ Dabei inszeniert Kalkofe seine Kritik so pointiert, dass sich Satire und Analyse potenzieren: die im doppelten Sinn vorgeführten Sendungen sprechen zunächst einmal für sich selbst, bevor er via Bluescreen reinplatzt. Das funktioniert so gut, dass, wer gerade Kalkofes Mattscheibe gesehen hat und weiterzappt, im Kopf den „Kalk“ weiter mitdenkt, und genau das will Oliver Kalkofe vermitteln: Medienskepsis.
Nach dem Ende der Mattscheibe auf Premiere und mehreren Specials für die ARD (1998-2001) war erstmal eine Zeitlang Pause mit regelmäßigen Mattscheiben, Kalkofe damals dazu: „ich möchte es nicht mehr so intensiv machen. Da wird man echt blöde von. Ich bin froh über die Pause, und vor allem bin ich glücklich, dass ich im Fernsehen nur noch das gucken kann, was ich möchte.“ Das SUBWAY Magazin argwöhnte angesichts Kalkofes folgender TV-Abstinenz: „Hast Du Dir durch die Mattscheibe nicht Deine weitere TV-Karriere versaut?“ Kalkofes Antwort war deutlich: „Nein, was ich an Konzepten angeboten bekommen habe kann man kaum zählen. Dem Fernsehen ist es scheißegal, was Du vorher gemacht hast, solange Du Dich einigermaßen vor der Kamera bewegen kannst ohne hinzufallen. Mir wurde meist angeboten, was wegmusste, aber das wollte ich nicht machen.“
Stattdessen bot der Grimme-Preis-gestählte „Medienterminator“ mit der Print-Kolumne Kalkofes letzte Worte in TV Spielfilm, mit dem zweiwöchentlichen Kalk Report im Medienfachblatt kress report sowie einer monatlichen Filmkritik in der Zeitschrift cinema weiter ein breites Spektrum seiner vielschichtigen Attacken gegen den täglich produzierten Irrsinn illusionsloser Programmmacher.
Seit 2003 läuft Oliver Kalkofe mit seiner Mattscheibe wieder regelmäßig in immer neuen Staffeln, diesmal beim Privatsender ProSieben. Aber die Arbeit ist angesichts der heutigen TV-Landschaft schwerer geworden.
Im Gespräch mit der Redaktion des NDR-Medienmagazins ZAPP sagt Oliver Kalkofe in 2005: „Ohne Zweifel: So schlecht wie heute war das Fernsehen noch nie. Die Call-In Shows zum Beispiel sind die Totalverweigerung der Sender, sich überhaupt noch Mühe zu geben. Heute ist Fernsehen nur noch ein schwarzes Loch, wo nichts passiert. Es gibt nur noch Angst, Unvermögen und kein Bock.“ [NDR ZAPP, Link nach Veröffentlichung verreist.]
Kalkofe beklagt sich auch über die Atmosphäre in der Branche. Diese kreative Unlust sieht man seiner Ansicht nach dem Programm deutlich an. Er ärgert sich, so ist in der Website des NDR-Medienmagazins ZAPP weiter zu lesen, maßlos über die lieblos versendeten Programmstunden, in denen es weder um Qualität noch Quote geht, sondern nur noch ums Geldverdienen. Diesem Ärger macht er mit teils brachialem Humor Luft: Was er nach etwa 50 Fernseh-Wochenstunden für das Schlimmste erachtet, wird in Kalkofes Mattscheibe gnadenlos verulkt und niedergemacht. Dabei wirkt seine Kritik inzwischen recht bitter, denn sie ist grundsätzlicher geworden: „Es ist niemand mehr da, der sagt: ‚Wir geben uns Mühe und es macht Spaß.’“